Twitter-Fakeaccount von Steve Bannon | Bildquelle: twitter.com

Verwirrung auf Twitter Wer ist der echte Steve Bannon?

Stand: 10.01.2018 09:11 Uhr

Nach der Trennung von Breitbart kursiert in US-Medien ein Zitat, das Steve Bannon getwittert haben soll. Doch bei dem betreffenden Twitter-Konto handelt es sich offenkundig um eine Fälschung. Leidtragender der Verwirrung ist unter anderem ein Schotte namens Steve Bannon.

Patrick Gensing Logo tagesschau.de
Patrick Gensing, tagesschau.de

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Steve Bannon - eigentlich Stephen Kevin Bannon - ist eine schillernde Figur im politischen und medialen Betrieb der USA. Der ehemalige Chef-Berater von Donald Trump sorgt immer wieder für Schlagzeilen und Spekulationen. Derzeit sinkt der Stern des rechtsnationalistischen Vordenkers allerdings. Bannon und die rechte Nachrichtenseite Breitbart trennen sich, zudem verliert Bannon auch seine Radio-Show bei dem Sender SiriusXM. Hintergrund sind Zitate von Bannon über die Familie des US-Präsidenten, die in dem Buch "Fire and Fury: Inside the Trump White House" veröffentlicht wurden.

Auf Breitbart-News wurde eine kurze Stellungnahme veröffentlicht. Darin erklärt Bannon, er sei stolz, dass das Breitbart-Team in so kurzer Zeit eine Nachrichtenplattform auf Weltklasse-Niveau aufgebaut habe.

Zudem kursiert in US-Medien ein weiteres Zitat: Auf Twitter soll Bannon geschrieben haben, man werde bald wieder von ihm hören, neue Ankündigungen würden zeitnah folgen.

Diesen Tweet zitierten unter anderem die Nachrichtenseiten AJC.com, AFR.com und weitere. Doch ob das Zitat echt ist, daran bestehen große Zweifel. So ist das angebliche Bannon-Profil nicht von Twitter verifiziert worden. Zudem nennt sich Bannon hier "Steven Bannon" - tatsächlich heißt er Steve oder Stephen. Darüber hinaus existiert dieser Twitter-Account zwar bereits seit Februar 2017, war aber kaum aktiv. Lediglich 14 Tweets setzte "Steven Bannon" bislang ab.

Einst enge Verbündete: Trump und Bannon

Doch auf den ersten Blick wirkt das Profil durchaus authentisch - vor allem, weil hier Zitate von Bannon veröffentlicht wurden, die bereits anderswo aufgetaucht waren. So hatte tagesschau.de versehentlich in einer Meldung von diesem Profil einen Tweet eingebettet, in dem ein bereits verifiziertes Zitat von Bannon noch einmal veröffentlicht worden war. Nach dem Hinweis eines Lesers wurde dieser Tweet wieder aus der Meldung entfernt.

Auch viele Nutzer fragen sich: Ist das wirklich der echte Steve Bannon, der hier twittert? US-Journalisten sagen: Nein, es sei ein Fake. CNN-Journalist Jake Tapper twitterte zudem, Bannon sei gar nicht auf Social-Media-Plattformen unterwegs. Allerdings existiert beispielsweise ein Twitter-Profil, das authentisch wirkt. Zwar ist es auch nicht von Twitter verifiziert, doch hatte hier ein Stephen K. Bannon bis August 2014 kontinuierlich geschrieben und regelmäßig Breitbart-Artikel verlinkt.

Fake-Profile und ein Schotte

Um die Verwirrung noch zu vergrößern, gibt es auf Twitter weitere Profile, die sich als Bannon ausgeben - beispielsweise als "Steven_K_Bannon" oder "StephenBannonWH". Dazu kommen noch Satire-Accounts, die aber als solche gekennzeichnet sind.

Und zwischen all diesen Profilen twittert noch ein in England lebender Schotte namens Steve Bannon. Er wird auf Twitter immer wieder für den bisherigen Breitbart-Chef gehalten. Bereits im Juli berichtete CNN über die Verwechslung auf Twitter. Der schottische Bannon hat daher sein Twitter-Profil längst großflächig mit Hinweisen ausgestattet, die deutlich machen sollen, dass es sich bei ihm eben nicht um den "Breitbart-Bannon" handelt.

Nachdem das Enthüllungsbuch "Fire and Fury" erschienen war, erreichte den schottischen Bannon wieder eine Flut von Tweets - darunter zahlreiche Beschimpfungen. Dabei habe er auf einen ruhigen Jahresbeginn gehofft, schrieb er. Und nun sei dieses Buch aufgetaucht. Die Trennung von Breitbart und Bannon dürfte dem schottischen Bannon einen weiteren unruhigen Tag auf Twitter bescheren.

Darstellung: