Irakische Streitkräfte beim Vormarsch  auf die IS-Hochburg Hawidscha | Bildquelle: AFP

Vormarsch gegen den IS Ist Trump verantwortlich für die Erfolge?

Stand: 19.10.2017 08:43 Uhr

Wem sind die Erfolge gegen den "Islamischen Staat" zu verdanken? Darüber wird in den USA derzeit diskutiert. Nach der Befreiung von Rakka, der einstigen IS-Hochburg in Syrien, sieht sich US-Präsident Trump als Vater des Sieges. Zu Recht?

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Martin Ganslmeier, NDR

Vielleicht ist es der Mangel an anderen vorzeigbaren Erfolgen, der US-Präsident Donald Trump antreibt: Seit einigen Tagen wird er nicht müde, zwei Entwicklungen als seine persönlichen Erfolge zu loben. Erstens boome seit seinem Wahlsieg der Aktienmarkt. Und zweitens implodiere der Islamische Staat - dank seiner robusteren Strategie im Kampf gegen die Terrormiliz.

Im Interview mit dem Radiomoderator Chris Plante bezeichnete Trump den Fall von Rakka, der inoffiziellen Hauptstadt des IS, als seinen Erfolg:  

Ich habe die Einsatzregeln unseres Kampfes total verändert. Ich habe unser Militär total verändert. Ich habe die Herangehensweise unseres Militärs total verändert. Und sie haben es großartig gemacht.

Die Terrormiliz IS implodiere derzeit in einer Weise, so Trump, wie "das noch niemand erlebt" habe. Auf die Frage des Radiomoderators, warum das nicht schon vorher passiert sei, betonte Trump: "Weil es noch nicht Trump als Präsident gab."

Fakt ist, dass die beiden Hochburgen des IS in Trumps Amtszeit gefallen sind: Mossul im Irak wurde im Juli befreit, und nun folgt Rakka in Syrien. Fakt ist auch, dass Trump nach seinem Amtsantritt die Einsatzregeln für das US-Militär verändert hat. Schon im Wahlkampf hatte Trump dem damaligen Präsidenten Barack Obama vorgeworfen, dem US-Militär zu viele Fesseln im Kampf gegen den IS anzulegen. Dagegen werde er als Präsident den IS "zur Hölle bomben" lassen.

Reklamiert die Erfolge gegen den IS für sich: Donald Trump.

Tatsächlich gab Trump dem Militär deutlich mehr Spielraum für eigene Entscheidungen als Obama, dem Kritiker vorwarfen, er beaufsichtige das Militär in detailversessener Feinsteuerung. Trumps Verteidigungsminister James Mattis verkündete die Änderungen im Mai: "Wir werden keine langsamen Entscheidungsprozesse mehr haben, weil Washington taktische Schritte im Bodenkampf autorisieren muss." 

Sowohl Präsident Trump als auch er als Verteidigungsminister seien entschlossen, den Militärs vor Ort mehr Freiraum in ihren Entscheidungen zu gewähren: "Ich habe absolutes Vertrauen in unsere Befehlshaber vor Ort, ebenso unser Präsident. Deshalb hat er diese Autorität an mich delegiert, mit der Möglichkeit, sie weiter zu delegieren. Und vor Ort machen sie davon robusten Gebrauch."

Grundlegende Strategie gleich

Dass Trump dem US-Militär eine längere Leine lässt, so die Einschätzung von Experten, habe die Fortschritte im Kampf gegen den IS vielleicht beschleunigt. Doch die von Obama vor drei Jahren begonnene Strategie im Kampf gegen die Terrormiliz habe sich unter Trump nicht wesentlich geändert. Das US-Militär unterstützt die regionalen Verbündeten vor Ort - vor allem aus der Luft und mit Waffen und Training.

So wurde die irakische Stadt Mossul von 100.000 Soldaten befreit, überwiegend irakischen Streitkräften, aber auch kurdischen Peschmerga sowie schiitischen und sunnitischen Milizionären. Und die syrische IS-Hochburg Rakka wurde von den sogenannten "Demokratischen Kräften Syriens" (SDF) zurückerobert, in denen Kurden und Araber gemeinsam kämpfen.

Obama hatte das Bündnis geschmiedet

Die regionalen Verbündeten der USA haben den größten Anteil am Sieg über den IS. Und es war Trumps Amtsvorgänger Barack Obama, der diese Bündnisse mit regionalen Kräften schmiedete. Und der schon im Februar 2015 sagte, der Kampf gegen den IS brauche Zeit:

Es wird dauern, bis wir diese Terroristen vertrieben haben, vor allem aus städtischen Gebieten. Aber unsere Koalition ist in der Offensive. Der IS ist in der Defensive und wird am Ende verlieren.

Eine Prognose, mit der Obama Recht behielt. Doch ähnlich wie beim Aufschwung am Aktienmarkt reklamiert Donald Trump im Kampf gegen den IS die Früchte des Erfolgs für sich. Obwohl es sein Amtsvorgänger war, der den Boden bereitete und die Voraussetzungen dafür schuf.

Ist Trump verantwortlich für Sieg über IS?
Martin Ganslmeier, ARD Washington
19.10.2017 08:23 Uhr

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