Trump | Bildquelle: AFP

Trump droht mit Zöllen Werden die USA beim Handel abgezockt?

Stand: 07.03.2018 04:33 Uhr

Amerika fürchtet keinen Handelskrieg, sagt US-Präsident Trump. Schließlich werde sein Land jetzt schon jetzt beim Welthandel benachteiligt. Was ist dran an Trumps Vorwürfen?

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Donald Trump beklagt es immer wieder: "Unser Land wurde im Handel von nahezu jedem Land der Welt abgezockt, egal ob Freund oder Feind", so der US-Präsident.

Martin Ganslmeier, NDR

Die Aussage ignoriert, dass es eine Reihe von Ländern gibt, mit denen die USA eine positive Handelsbilanz haben: zum Beispiel Hongkong, die Niederlande, die Vereinigten Arabischen Emirate, Australien, aber auch Kanada. Und ausgerechnet Kanada, der enge Freund und Nachbar, würde durch Trumps Strafzölle auf Stahl besonders hart getroffen.

Denn die größten Mengen Stahl kommen aus Kanada und Mexiko in die USA. Generell hat der US-Präsident allerdings Recht: die USA importieren deutlich mehr als sie exportieren. Besonders hoch ist das Handelsbilanzdefizit mit China, Mexiko, Japan und Deutschland. Und obwohl es mehr EU-Bürger als US-Bürger gibt, beträgt Amerikas Handelsbilanzdefizit mit der Europäischen Union 150 Milliarden Dollar pro Jahr.

EU schottet sich für Agrarprodukte ab

Dieses Ungleichgewicht wirft Trump der EU vor: "Sie haben Handelsbarrieren, die viel schlimmer als Strafzölle sind. Wenn sie uns jetzt drohen, dann erheben wir eine Steuer auf ihre Autos, die wie Wasser in unser Land fließen."

Trumps Kritik wird von vielen Amerikanern geteilt: die EU baue Handelshemmnisse auf, weil US-Produkte angeblich bestimmten Qualitätsstandards nicht genügen. Vor allem bei Agrarerzeugnissen herrscht in den USA Unverständnis, dass sich der EU-Markt abschottet und doppelt so hohe Zölle verlangt wie umgekehrt die USA für Landwirtschaftsprodukte aus der EU. Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP sollte viele dieser Zölle und Barrieren abschaffen. Doch ausgerechnet TTIP lehnt Trump ab.

Die Importzölle sollen die einheimische Stahlbranche schützen - ein Stahlwerk in Pennsylvania.

Seine Attacken gegen europäische Autohersteller finden selbst republikanische Kongressabgeordnete nicht nachvollziehbar. Charlie Dent im Sender CNN: "BMW, Mercedes-Benz und VW investieren stark in den USA. BMW und Mercedes sind die größten Auto-Exporteure der USA. Mit den deutschen Autoherstellern in einen Krieg zu ziehen, macht keinen Sinn."

Bush machte schlechte Erfahrungen

Dennoch schreckt Trump auch die Aussicht auf einen Handelskrieg nicht: "Wenn man beim Handel gegenüber jedem anderen Land zurückliegt, dann sind Handelskriege nicht so schlecht", meint Trump. "Der Handelskrieg schadet ihnen, nicht uns."

Trump geht davon aus, dass die anderen Länder im Ernstfall schnell nachgeben. Doch das widerspricht historischen Erfahrungen. Meist kommt es zu protektionistischen Gegenmaßnahmen in anderen Ländern, auf die dann weitere Vergeltungsmaßnahmen folgen: eine verhängnisvolle Spirale, bei der am Ende alle verlieren, wie in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Jüngstes Beispiel sind die Stahlzölle, die der damalige Präsident George W. Bush 2002 verhängte. Zwar konnte Bush damit rund 10.000 Jobs bei amerikanischen Stahlherstellern retten. Doch als Folge der Strafzölle gingen in der stahlverarbeitenden Industrie und bei Autoherstellern in den USA 20 Mal so viele Jobs verloren.

Sicherheitsargument vorgeschoben

Ungeachtet solch negativer Erfahrungen begründet der US-Präsident die geplanten Strafzölle mit der nationalen Sicherheit Amerikas: "Ohne Stahl und Aluminium ist Dein Land nicht mehr das Gleiche. Wir brauchen es für die Verteidigung."

Dieses Argument scheint eher vorgeschoben: Die größten Stahlexporteure in die USA sind allesamt enge Verbündete Amerikas. Selbst Verteidigungsminister Mattis sieht in Stahl- und Aluminium-Importen keine Bedrohung der nationalen Sicherheit.

Faktencheck zu Trump - Werden die USA beim Handel abgezockt?
Martin Ganslmeier, ARD Washington
07.03.2018 00:16 Uhr

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