Trump | Bildquelle: AP

Trumps Medienschelte Wer sind die "Preisträger"?

Stand: 18.01.2018 08:48 Uhr

ABC, "New York Times", CNN: Auf Trumps Liste der "Fake News Awards 2017" finden sich renommierte Namen. Auf Platz eins steht Paul Krugman - für eine Kolumne aus dem Jahr 2016.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Mit der Vergabe der umstrittenen "Fake News Awards" hat der US-Präsident seinen Feldzug gegen unliebsame Medien verschärft. Trump veröffentlichte die "FAKE NEWS winners" auf seinem privaten Twitter-Profil.

Die Liste der "Gewinner" des Schmähpreises ist auf den Seiten der republikanischen Partei zu finden. Dort wird beklagt, 2017 sei ein Jahr der unerbittlichen Verzerrungen und unfairen Berichterstattung gewesen. Danach werden elf Beispiele genannt, die als Fake News oder verzerrte Berichterstattung betrachtet werden. Wer diese Fälle wie ausgewählt hat, bleibt unklar.

Platz eins: Krugman-Kolumne von 2016

Auf Platz eins des "Highly-Anticipated 2017 Fake News Awards": Der Kolumnist der "New York Times", Paul Krugman: Er ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Princeton University, Centenary Professor an der London School of Economics, Sachbuchautor und Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften 2008.

Krugman wird vorgeworfen, er habe vorausgesagt, die Wirtschaft werde sich von Trumps Wahlsieg nie erholen. Damit bezieht sich der US-Präsident offenkundig auf eine Kolumne, die Krugman allerdings gar nicht 2017, sondern bereits 2016 geschrieben hatte. Darin hieß es:

The disaster for America and the world has so many aspects that the economic ramifications are way down my list of things to fear. Still, I guess people want an answer: If the question is when markets will recover, a first-pass answer is never.

Diese erste Prognose über eine vermutete negative wirtschaftliche Entwicklung durch Trumps Politik veröffentlichte Krugman noch in der Wahlnacht. Er schrieb zudem, eine globale Rezession sei wahrscheinlich, doch er denke, irgendwie werde es schon gut gehen. Nur wenige Tage später relativierte der Wissenschaftler seine Aussage in einer weiteren Kolumne bereits.

Bei Krugmans Äußerungen handelte es sich um keine Nachrichtenmeldung, also keine News, sondern um eine Kolumne, in der persönliche Einschätzungen geäußert werden.

Fehlerhafte Berichte von ABC und CNN

Auf dem zweiten Platz der Liste steht der TV-Reporter Brian Ross, der im Dezember im Sender ABC News eine Falschmeldung zur Russland-Affäre verbreitet hatte. Der Nachrichtensender bat damals um Entschuldigung und suspendierte seinen Investigativ-Korrespondenten vorübergehend.

Auf dem dritten Platz folgt der Sender CNN, der einen Bericht über angebliche Verbindungen zwischen Trumps Wahlkampfteam und WikiLeaks im Dezember korrigieren musste.

Platz vier: ein falscher, aber korrigierter Tweet

Auf Platz vier nennt Trump einen Tweet des Reporters Zeke Miller vom "Time"-Magazin. Er hatte im Januar fälschlicherweise auf Twitter geschrieben, dass der neue US-Präsident eine Büste von Martin Luther King aus dem Weißen Haus habe entfernen lassen. Kurze Zeit später korrigierte Miller seinen eigenen Tweet und entschuldigte sich in einem weiteren Tweet für seine falsche Beobachtung.

Auch die Seite Snopes.com, auf der Falschmeldungen korrigiert werden, stellte den Sachverhalt noch einmal richtig, betonte aber auch, dass die falsche Behauptung von Miller medial überhaupt keine Rolle gespielt habe. Der Reporter habe seinen falschen Tweet innerhalb kurzer Zeit selbst korrigiert - und es habe keine Medienberichte gegeben, wonach die Büste des schwarzen Bürgerrechtlers entfernt worden sei.

Platz fünf: ein weiterer korrigierter Tweet

Hierbei handelt es sich um einen weiteren Tweet, der innerhalb kürzester Zeit korrigiert wurde. Der Journalist der "Washington Post", der den Tweet veröffentlicht hatte, entschuldigte sich zudem dafür. Trump forderte, den Reporter zu entlassen.

Platz sechs: Fütterung von Fischen

Bei dem folgenden Fall ging es um einen Besuch von Trump in Japan im November 2017. Dabei hatte er gemeinsam mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe Fische gefüttert. Zu sehen ist, wie Trump erst ein paar Löffel mit Futter in einen Teich wirft - und dann die gesamte Schale leert.

US-Präsident Trump zu Besuch in Japan

Trump beklagt sich nun, CNN habe fälschlicherweise den Eindruck vermittelt, der US-Präsident habe die Fische überfüttert. Dabei habe Abe zuvor bereits die gesamte Schale geleert, was tatsächlich so war.

In dem entsprechenden CNN-Bericht hieß es dazu:

The move got Trump some laughs, and a smile from Abe, who actually appeared to dump out his box of food ahead of Trump.

Platz sieben: Zurückgezogener Bericht über Russland-Kontakte

Im Sommer 2017 hatte CNN einen Online-Artikel über angebliche Russland-Kontakte zurückgezogen. Redaktionelle Standards seien nicht eingehalten worden, hieß es zur Begründung. Drei Reporter verließen als Konsequenz den Sender. Ein Vorgang, der die US-Medien intenstiv beschäftigte, so thematisierte beispielsweise die "New York Times" die Angelegenheit ausführlich.

"Feinde des amerikanischen Volkes"

Auf Trumps Negativliste stehen zudem das US-Nachrichtenmagazin "Newsweek". Der TV-Sender CNN wird gleich vier Mal genannt. Trump hatte Medien wie CNN oder "New York Times" als "Feinde des amerikanischen Volkes" bezeichnet.

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