Wahlplakate der schwedischen Sozialdemokraten im Zentrum von Stockholm. | Bildquelle: AFP

Vor Parlamentswahl Schweden warnt vor Bots und Fake News

Stand: 09.09.2018 03:43 Uhr

"Glaubt nicht alles, was online über Parteien gesagt wird": Vor der Parlamentswahl warnt Schwedens Geheimdienst vor Falschinformationen, die ein düsteres Bild des Landes zeichnen.

Carsten Schmiester, NDR

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Wenn sich eine führende Mitarbeiterin des schwedischen Geheimdiensts Säkerhetspolisen (Säpo) an die Öffentlichkeit wendet, dann ist es ernst. Linda Escar hat es wenige Tage vor der Parlamentswahl in der heißen Wahlkampfphase getan.

Im öffentlich-rechtlichen Sender SVT warnte sie die Wähler: "Glaubt nicht alles, was online über Parteien, ihre Programme, ihre Stärken und Schwächen geschrieben ist und gesagt wird."

Im Netz werde inzwischen kräftig manipuliert, warnt sie: "Wir sehen eine Zunahme von Aktivitäten im Vergleich zur Wahl 2014. In der digitalen Arena handelt es sich beispielsweise um elektronische Angriffe, Überlastungsattacken oder Aktionen automatisierter Konten."

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Vermeintlicher Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung

So wurde erst vor wenigen Tagen bekannt, dass die Seite der noch mit den Grünen gemeinsam regierenden Sozialdemokraten eine Zeit lang nicht zu erreichen war - schon zum vierten Mal. Der Server der Partei war offenbar erneut unter dem digitalen Dauerfeuer einer Cyberattacke in die Knie gegangen. Auch in sozialen Netzwerken gehen laut Säpo gefälschte Konten trickreich schwedische Parteien und Politiker im Wahlkampf an.

Mit negativer Wirkung über die Grenzen des Landes hinaus: Es sei auffällig, so Escar, dass selbst Teile der internationalen Presse über ein Schweden berichteten, in dem angeblich chaotische Zustände herrschten - wohl eine Anspielung auf ebenso falsche wie immer wieder neu verbreitete Informationen über den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung. In den Außenbezirken der großen Städte Göteborg, Malmö oder Stockholm sollen das die Folgen massenhafter Zuwanderung von Flüchtlingen sein.

Dabei fällt es der Geheimpolizei offenbar schwer, die Quellen ausfindig zu machen - die nicht notwendigerweise immer im Ausland seien, sagt Escar: "Nicht alles Auffällige stammt von einer fremden Macht, die das Vertrauen in diese Wahl schwächen will."

Verdacht gegen Russland

Da denken viele an Russland, von dem sich die Schweden zunehmend bedroht fühlen und dem man ein Interesse an der Destabilisierung westeuropäischer Demokratien nachsagt.

Professor Ralph Schroeder forscht am britischen Oxford Internet Institute. Sein Team hat dort seit März allein 600.000 Twitter-Posts analysiert, bei denen es um die Schwedenwahl ging. In einem Interview mit dem schwedischen Rundfunk beteiligte er sich zwar nicht an Spekulationen über die Identität der Online-Propagandisten, beschrieb aber Auffälligkeiten ihrer Aktionen.

"Sie bevorzugen bestimmte Themen und Parteien, besonders die Schwedendemokraten und die Alternative für Schweden", erklärt er. "Es gibt auch eine Menge Kritik. Und die konzentriert sich wiederum unverhältnismäßig häufig auf die Sozialdemokraten."

Jimmie Akesson, Spitzenkandidat der rechten Partei "Schwedendemokraten", spricht in Malmö. Experten rechnen damit, dass seine Partei bei der Parlamentswahl gut abschneiden wird.

"Ich mache mir da schon Sorgen um die Demokratie"

Dabei seien bis zu einem Sechstel der Tweets nicht von "normalen" Nutzern gepostet worden, sondern von Bots. Aber auch die massenweise Verbreitung von Falschmeldungen durch Menschen in sozialen Netzwerken zählt er dazu.

Nicht nur für deren Nutzer eine gefährliche Sache, meint Schroeder, sondern für die gesamte Gesellschaft. Denn so entstehe etwa der Eindruck, als sei das Thema Flüchtlinge das einzig Wichtige im Wahlkampf.

Ist es nicht, es geht auch um das Gesundheits- und Bildungssystem oder um die Wohnungsnot. Doch da haben die Populisten kein wirkliches Programm. "So werden die tatsächlichen Verhältnisse zu einem gewissen Grad verzerrt", meint Schroeder. "Ich mache mir da schon Sorgen um die Demokratie."

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. September 2018 um 05:40 Uhr.

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