Den Überlebenden Kelsey Friend und David Hogg wird unterstellt, sie seien nur Schauspieler. | Bildquelle: REUTERS

Nach Massaker in Parkland Überlebende als Betrüger beschuldigt

Stand: 22.02.2018 16:23 Uhr

Es ist ein trauriges Ritual nach Massakern wie in Parkland: Überlebende werden im Netz beschuldigt, Teil einer Inszenierung zu sein. Sie werden als Krisenschauspieler bezeichnet.

Martina Buttler, WDR

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Sie sollen Krisenschauspieler sein, die an den Ort von Schießereien reisen und dort Wut gegen Waffen anstacheln. Das ist eine Verschwörungstheorie, die über einige Schüler der Stoneman Douglas Highschool kursiert.

Ein Ziel der Verschwörungstheoretiker: David Hogg. Der 17-jährige Chef der Schülerzeitung ist in den vergangenen Tagen mit wortgewandten Interviews bekannt geworden. Nun musste er auf CNN klarstellen, dass er kein Krisenschauspieler sei: "Ich musste das alles erleben, durchleben und das geht immer noch weiter. Dass Donald Trump Junior einen solchen Post geliked hat, finde ich widerlich."

Es sind vor allem rechte Webseiten im Internet, auf denen die Verschwörungstheorien verbreitet werden. Das gehört in den USA nach Amokläufen inzwischen zum traurigen Alltag für die Überlebenden und Hinterbliebenen. Die Erfahrung hatte auch Andy Parker gemacht. Seine Tochter Alison war Reporterin und wurde vor laufender Kamera erschossen. Ihm sei gesagt worden, er sei ein Krisenschauspieler. Das alles sei gar nicht passiert und seine Tochter Alison lebe in Israel. "Ich denke mir nur", sagt Parker: "Wie kommt man auf so einen Mist?"

Mit der Trauer und den Lügen leben lernen

Auch David Wheeler kennt diese Geschichten: Sein Sohn Ben war sechs Jahre alt, als er beim Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule getötet wurde. David musste neben seiner Trauer irgendwie damit umgehen lernen, dass ihm Fremde online vorwerfen, er würde das alles nur vorspielen. Der Amoklauf und der Tod seines Sohnes - alles sei nur eine Erfindung.

David schiebt das weg, will seine Energie nicht darauf verschwenden. Er geht nicht auf die Verschwörungstheoretiker und ihre wirren Thesen ein: "Ich reagiere nicht auf diese Leute. Da geht es nicht um mich."

Sie seien keine Opfer und Augenzeugen - sondern Schauspieler. Das unterstellten Verschwörungstheoretiker auch nach der Attacke in Las Vegas im Oktober 2017.

Schnell haben Posts und Videos online mehr als 100.000 Klicks bekommen, die in den vergangenen Tagen behaupteten, dass der 17-jährige David Hogg nur eine Marionette der Demokraten sei. Der Mitarbeiter eines Abgeordneten in Florida schrieb einer Zeitung, dass sowohl David als auch das zweite bekannte Gesicht des Protests, Emma Gonzalez, Krisenschauspieler seien. Der Mitarbeiter wurde entlassen.

Teil einer neuen Realität

Verschwörungstheorien sind Teil der neuen Realität für einige der Schüler, die das Massaker an der Stoneman Douglas High School überlebt haben. David Hogg schüttelt darüber bisher nur den Kopf: "Diese Leute weigern sich zu glauben, dass so etwas überhaupt passieren kann." Aber es sei passiert, sagt David Hogg. Und weiter: "Ich bin ganz und gar kein Schauspieler. Und was die sagen, ist verstörend."

Verschwörungstheorien sind der inzwischen übliche Nachhall von Amokläufen in den USA. Überlebende und Hinterbliebene müssen lernen, damit zu leben. Denn diese wirren Theorien hören nicht auf - auch Jahre später nicht. Die Frage ist nur, wie jeder Betroffene damit umzugehen lernt.

Verschwörungstheorien - der üble Nachhall nach Amokläufen
Martina Buttler, ARD Washington
22.02.2018 15:36 Uhr

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