Flugzeugträger USS Carl Vinson | Bildquelle: dpa

Nordkorea Falschmeldungen über US-Drohkulisse

Stand: 22.04.2017 12:09 Uhr

Wieder gibt es Verwirrung über Flugzeugträger der US-Marine: Nicht ein, sondern drei Flugzeugträger seien auf dem Weg nach Nordkorea, meldete die südkoreanische Agentur Yonhap. Das ist falsch.

Von Wolfgang Wichmann, tagesschau.de und Jenny Stern, BR

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Für Aufsehen sorgt im Internet eine Meldung der südkoreanischen Agentur Yonhap vom 17. April 2017. Der Agenturbericht trägt übersetzt den Titel: ""Carl Vinson" erreicht das Japanische Meer am 25. April - drei Flugzeugträger um die Koreanische Halbinsel versammelt". Wie die Agentur auf Nachfrage der ARD-faktenfinder bestätigte, wurde die Meldung - im Gegensatz zu vielen anderen Agenturberichten - nicht auf Englisch veröffentlicht. Der Text auf Koreanisch ist noch online abrufbar.

Die Meldung beschreibt zunächst noch einmal die unterschiedlichen Berichte zum Aufenthaltsort des Flugzeugträgerverbandes "Carl Vinson", der schon vor Tagen im Japanischen Meer hätte eintreffen sollen. Wegen einer Übung mit dem australischen Militär war der Verband von Singapur aus aber zunächst Richtung Australien gefahren. Inzwischen ist die "Carl Vinson" auf dem Weg zur koreanischen Halbinsel.

Yonhap: Drei Flugzeugträger vor Korea

Später nimmt die Agenturmeldung die Standorte weiterer Flugzeugträgerverbände der US-Navy in den Blick: "Zu Wochenbeginn werden drei Flugzeugträger, darunter der Flugzeugträger "Ronald Reagan" (Abkürzung CVN 76) und der Flugzeugträger "Nimitz" (Abkürzung CVN 68) an der koreanischen Halbinsel sein." Dabei ergänzt der Bericht, dass die "Ronald Reagan" derzeit im japanischen Yokosuka gewartet wird. Die "Nimitz" sei derzeit auf dem Weg in den Westpazifik, heißt es in der Meldung.

Zitiert wird im Folgenden eine nicht näher bezeichnete Quelle für Informationen der US-Regierung. Drei Flugzeugträger auf so engem Raum sei unter militärischen Gesichtspunkten sehr ungewöhnlich und ein Zeichen für die Sicht der USA auf Nordkorea. Bezugnehmend auf andere Quellen heißt es weiter, die Trump-Regierung setze auf Abschreckung durch das eigene Handeln: "Wir erwarten, dass es in eine komplett andere Richtung weitergeht, als bei der Vorgängerregierung."

Die Informationen aus der koreanischen Agenturmeldung greifen in den folgenden Tagen auch ausländische Medien auf. Die englischsprachige Nachrichtenseite "Zero Hedge" berichtet am 18. April von den beiden Flugzeugträgern, die sich auf dem Weg zur koreanischen Halbinsel befänden und bezieht sich dabei auf Yonhap - als einzige Quelle. Auch das staatliche russische Nachrichtenportal "Sputnik News" verbreitet die Meldung und titelt: "Abschreckung wie nie zuvor: USA schicken gleich drei Flugzeugträger nach Korea".

Keine Belege für Yonhaps Szenario

In offiziellen Stellungnahmen der US-Administration findet sich für eine gezielte Drohkulisse gegen Nordkorea durch den Einsatz von drei Flugzeugträgern nichts. Weder in Statements noch verfügbaren Dokumenten findet sich das von der Agentur Yonhap beschriebene Szenario wieder. Die Aussagen der Agentur lassen sich damit nicht bestätigen.

In einer Mitteilung vom 19. April bestätigte US-Verteidigungsminister James Mattis zwar, dass sich die "Carl Vinson" auf dem Weg zur koreanischen Halbinsel befinde. Von den beiden anderen Flugzeugträgern war da aber keine Rede. Auf Anfrage des ARD-faktenfinder sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag, Berichte über zwei weitere Flugzeugträger auf dem Weg zur koreanischen Halbinsel seien schlichtweg falsch.

Wo befinden sich die US-Flugzeugträger?

Bleibt die Frage nach dem Aufenthaltsort der verfügbaren Flugzeugträgerverbände der US-Marine. Einen Überblick über den Aufenthaltsort der derzeit zehn US-amerikanischen Flugzeugträgerverbände liefert das Unternehmen Stratfor. Wöchentlich stellt das Unternehmen, das sich auf strategische militärische Informationen fokussiert, eine sogenannte "Naval Update Map".

In der jüngsten Version vom 20. April sind die betreffenden Verbände wie folgt verzeichnet: Die "Carl Vinson" ist auf dem Weg zur koreanischen Halbinsel, der Flugzeugträger "Ronald Reagan" liegt im japanischen Hafen von Yokosuka für planmäßige Wartungsarbeiten und die "Nimitz" ist unterwegs für eine Übung im Süden der Kalifornischen Küste. Auf der Facebookseite der "Nimitz" geht die Marine sogar auf die Berichte ein, sie solle sich auf dem Weg ins Japanische Meer befinden: "Das ist falsch", schreibt ein Sprecher. Dass sich die drei Flugzeugträger "Carl Vinson", "Ronald Reagan" und "Nimitz" vor der Küste Koreas begegnen könnten, ist also mehr als fraglich.

Einen Überblick über den Aufenthaltsort US-amerikanischen Flugzeugträgerverbände liefert Stratfor.

Meldungen über bevorstehenden Konflikt

Die Ängste vor einem bevorstehenden militärischen Konflikt betreffen auch Meldungen aus den angrenzenden Ländern China und Russland. Die Regierungen dort wollen ihre besorgten Bürger beruhigen und dementieren entsprechende Berichte. Im chinesischen Internet, zum Beispiel den sozialen Netzwerken Weibo und WeChat, existieren zwar viele Spekulationen, aber keine Fakten. So soll China einem Gerücht zufolge angeblich 150.000 Soldaten an die Grenze zu Nordkorea verlegen.

Auf der Website des chinesischen Verteidigungsministeriums ist dazu immer noch ein Zitat aus einer Pressekonferenz vom 12. April zu lesen: "Diese Berichte sind komplett erfunden." Nachdem sich die Nachrichten von ungewöhnlich vielen Flugbewegungen von Bombern an der Grenze zu Nordkorea gemehrt hatten, äußerte sich das Ministerium schließlich am Freitag: Es handele sich um normale Routineübungen der Streitkräfte.

Russland wollte Berichte, das Land würde Truppen und schwere Waffen an die Grenze zu Nordkorea verlegen, am Freitag weder bestätigen noch dementieren. Die Frage von Truppenverschiebungen innerhalb Russlands werde nicht öffentlich diskutiert, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow Agenturen zufolge. Im Internet war zuvor ein Video von einem Güterzug aufgetaucht, der gepanzerte Fahrzeuge transportierte. Ein Online-Portal im Gebiet Chabarowsk zitierte Anwohner, die in den vergangenen Tagen mehrere solcher Transporte beobachtet haben wollen.

Es handle sich lediglich um eine reguläre, jährlich stattfindende Übung der Streitkräfte in der Region, sagte der Sprecher des Fernöstlichen Militärbezirks, Alexander Gordejew der Agentur Interfax. Mit den internationalen Spannungen um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm habe dies nichts zu tun.

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