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Makabres Geschäftsmodell Falsche Todesmeldung als Klickköder

Stand: 19.10.2017 08:01 Uhr

Morgan Freeman lebt - doch bereits mehrfach ist im Internet der Tod des US-Schauspielers fälschlicherweise vermeldet worden. Seit Tagen kursiert wieder ein entsprechender Bericht. Die Urheber solcher Falschmeldungen haben zumeist finanzielle Motive.

Von Wolfgang Wichmann, tagesschau.de

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Wolfgang Wichmann, tagesschau.de

Um es klar zu sagen: US-Schauspieler Morgan Freeman lebt. Auch wenn eine seit Tagen im Internet geteilte Meldung - wieder einmal - das Gegenteil behauptet. "Gestorben im Alter von 80 Jahren", lautet die Überschrift des Onlineartikels, der zuerst auf der Fake-News-Seite actionnews3.com online gestellt wurde. Der Schauspieler sei "in seinem Haus in Charleston im Bundesstaat Mississippi am frühen Morgen von uns gegangen" so die Meldung, die bezeichnenderweise kein Veröffentlichungsdatum trägt. Leider fehlt dem Text aber auch der Zusatz, dass sich um eine Falschnachricht handelt.

Vielmehr erfährt der Leser, wie häufig die Meldung angeblich im Netz bereits geteilt wurde: den Angaben zufolge allein bei Facebook mehr als 845.000 Mal. Inzwischen haben mehrere Websiten die Meldung korrigiert und als Falschnachricht enttarnt, darunter die Fakten-Check-Websites von Snopes.com oder des Vereins mimikama.at.

2016: Freeman angeblich 79-jährig gestorben

"Tot in Los Angeles"

Dass Freeman im Netz für tot erklärt wird, ist für den Schauspieler selbst nicht neu. Das passierte ihm in den vergangenen Jahren bereits mehrfach. Zuletzt erst im November vergangenen Jahres, als die Website newshubs.info meldete: "Schauspieler Morgan Freeman wurde heute Morgen tot in einem Hotel in Los Angeles aufgefunden", lautet der erste Satz der Meldung. Der Artikel ist noch immer unverändert im Netz abrufbar. Den Angaben der Website zufolge wurde er mehr als 11.000 Mal angeklickt.

2017: Freeman angeblich 80-jährig gestorben

"Gestorben an einer geplatzten Arterie"

Auch im Oktober 2012 war Freeman bereits öffentlich für tot erklärt worden: Damals hatte ein Facebook-User die Seite "R.I.P. Morgan Freeman" erstellt und darauf veröffentlicht: "Unser geliebter Schauspieler Morgan Freeman ist an einer geplatzten Arterie gestorben", er werde "vermisst, aber nie vergessen werden". Fast eine Million Facebook-User markierten die Seite mit "Gefällt mir", eher der Star auf seinem eigenen Profil ein humorvolles Lebenszeichen von sich gab:

Wie Mark Twain lese ich immer wieder, dass ich gestorben sei. Ich hoffe, dass diese Geschichten nicht wahr sind. Sollten sie aber wahr sein, dann kann ich glücklich vermelden, dass mein Leben nach dem Tode identisch zu dem Leben scheint, das ich gelebt habe.

Besonders betroffen: Musik- und Filmstars

Freeman befindet sich, was die falsche Todesnachricht im Internet anbelangt - in namhafter Gesellschaft: Auch Sängerin Cher wurde fälschlicherweise schon für tot erklärt, ebenso wie Jon Bon Jovi, Mr. Bean-Darsteller Rowan Atkinson, Adele, Paul McCartney, Celine Dion, Justin Bieber, Arnold Schwarzenegger oder auch Stefan Raab.

Und der frühere Apple-Chef Steve Jobs "starb" vor seinem tatsächlichen Tod im Jahr 2011 mindestens zwei Mal online: Einmal hatte die Agentur Bloomberg einen gerade aktualisierten Nachruf fälschlicherweise im Netz veröffentlicht. Ein andermal war ein Twitter-Account des Fernsehsenders CBS verantwortlich, auf dem kurzzeitig der Tod von Jobs vermeldet worden war. Obwohl der Tweet umgehend gelöscht und eine Richtigstellung veröffentlicht wurde, war die Falschnachricht zunächst nicht mehr zu aufzuhalten. Besonders perfide: Bei Steve Jobs gehen die Meldungen um sein Leben auch nach dem tatsächlichen Tod weiter. Das Rechercheportal Snopes griff 2014 ein Gerücht auf, wonach Jobs gar nicht tot sei, sondern noch lebe.

Hintergrund: finanzielles Interesse

"Gefälschte Todesmeldungen über Stars und Sternchen sind ein immer wiederkehrendes Element der Fakes und Hoaxes", wie Andre Wolf dem ARD-faktenfinder sagte. Wolf arbeitet seit Jahren für den Verein Mimikama, der online Falschmeldungen widerlegt. Dahinter stecke zumeist ein kommerzielles Interesse. Wie die Falschnachrichten dann in Geld umgesetzt werden, sei unterschiedlich und hänge oft auch mit dem Zeitpunkt zusammen, zu dem sie veröffentlicht würden. So verbreite die Website hinter der aktuellen Falschmeldung zu Freemans Tod "reine Falschmeldungen in Kombination mit massiven Werbeeinblendungen":

Hier ist die Interessenslage recht deutlich: Mit Hilfe von inhaltlich (bewusst) falsch konstruierten Inhalten werden Menschen in eine "Werbezone" gelockt. Der Tod eines Schauspielers ist dabei lediglich das Clickbait-Element.

2016 habe der Verein eine auffällig große Anzahl an Todesmeldungen über Stars in den sozialen Netzwerken vernommen, die vornehmlich dieses Element nutzten, so Wolf. Andere Todesmeldungen wie beispielsweise die zu Fußball-Star Mesut Özil nutzten Wolf zufolge andere Wege, um an Geld zu kommen: "Mit einem Klick auf eine entsprechende Falschmeldung wurde man durch die Hintertür dazu animiert, an Affiliate-Gewinnspielen teilzunehmen oder dubiose Abos abzuschliessen." Auch wenn das in der aktuellen Variante um Freemans Tod nicht der Fall sei, werde doch deutlich, dass immer ein kommerzielles Interesse hinter diesen Falschmeldungen steckt.

Emotionaler Klick-Reiz

Die enorme Reichweite, die falsche Todesmeldung erzielen können, lässt nicht erwarten, dass diese Masche bald verschwindet. Diese Art von Meldungen beinhaltet laut Wolf die typischen Faktoren, die überhaupt verwendet werden, um Inhalte in Social Media erfolgreich zu platzieren: "Todesfälle, speziell von Stars, sind natürlich Gossip." Daneben seien Angst, Hass und Wut die klassischen Emotions-Trigger, die Falschmeldungen zu ihrer Viralität verhelfen.

Experten-Rat: Entschleunigung

Was also tun? Andre Wolf rät den Usern generell zu mehr Ruhe im Umgang mit Social Media: "Entschleunigen, vergleichen und sich nicht direkt von den ersten Emotionen verleiten lassen." Allerdings verleiteten die einfachen und schnellen Bedienelemente von Social Media dazu, Inhalte oberflächlich und vorschnell zu nutzen - der Trend sollte jedoch eher gegenläufig sein:

Nutze Werkzeuge wie Suchmaschinen, um seriöse Quellen zu finden, die diesen Inhalt bestätigen - oder gar darauf hinweisen, dass es sich um eine Falschmeldung handelt.

Sonderrolle für Morgan Freeman

Das alles wird für Morgan Freeman nichts mehr daran ändern, dass er eine ganz besondere Rolle für Todesnachrichten im Netz einnimmt. Denn er war es, der auch schon mal am 16. Dezember 2010 für tot erklärt worden war - beim Kurznachrichtendienst Twitter. Und damit handelte sich um eine der ersten falschen Todesnachrichten, die sich vor allem über das Internet verbreitet hatte.

Ein bis dato unbekannter Twitternutzer hatte unter Berufung auf CNN getwittert: "RT @CNN: Breaking News: actor Morgan Freeman has passed away in his Burbank home". Obwohl unter anderem das Boulevardmagazin TMZ auf seiner Website schnell reagierte, war die Verwirrung bei Tausenden Fans und Journalisten zunächst groß.

"Ein entwürdigendes Gerücht"

Youtube-Star Kevin "Nalts" Nalty erreichte Freeman schließlich per Telefon und konfrontierte ihn mit den Gerüchten aus dem Netz. Das Gespräch dokumentierte er in einem Video. Freeman reagierte auch damals schon relativ gelassen: Er stellte sich demnach vor einen Spiegel und stellte fest:

Nun, dieses Gerücht ist nicht mehr, als ein entwürdigendes Gerücht.

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