Gedenken an die Opfer von London | Bildquelle: AFP

Fake-News nach dem London-Attentat Falsche Vermisstenmeldungen

Stand: 04.06.2017 17:58 Uhr

Schon Minuten nach dem Anschlag verbreiteten sich Posts mit Fake-News in den sozialen Netzwerken. Es wurden angeblich vermisste Angehörige gesucht und Aussagen zitiert, die so nie gefallen sind.

Von Nele Pasch, SWR

Nele Pasch Logo SWR
Nele Pasch, SWR

Es dauerte nur wenige Minuten, bis sich unter die vielen Meldungen rund um den Anschlag auf der London Bridge auch falsche Nachrichten mischten. Die meisten dieser Fake-News sind Vermisstenanzeigen für Menschen, die weder zum Zeitpunkt des Attentats auf der London Bridge waren, noch als vermisst gemeldet wurden.

So sucht dieser Twitter-Nutzer seinen angeblich vermissten Bruder, der auf der London-Bridge gewesen sein soll und nun nicht mehr ans Telefon gehe. „Ich habe große Angst. …Das ist er. Bitte helft mir.“

Tatsächlich ist auf dem Foto der US-amerikanische YouTuber und Rapper Matthew David Morris „MattyB“ zu sehen. Er lebt mit seiner Familie im US-Bundesstaat Goergia. Gegen zwei Uhr in der Nacht, also ein paar Stunden nach dem Anschlag, twitterte er ein Foto, auf dem er gesund mit zwei anderen jungen Männern posiert.

Eine weitere gefälschte Vermisstenmeldung hat der Twitter-User @TragickAlyosha verbreitet. Darin ein Aufruf, den angeblich vermissten Freund zu suchen, der auf der London-Bridge gewesen sein soll und nun nicht mehr ans Telefon gehe.

In Wahrheit ist auf dem Foto der Brite Paul Joseph Watson zu sehen, ebenfalls ein YouTuber und bekannter Verschwörungstheoretiker. Er arbeitet unter anderem für "Infowars.com", einer Nachrichtenseite im Netz, die Verschwörungstheorien verbreitet. Immer wieder kritisiert er den Islam und fällt auf durch Aussagen wie, Vergewaltigungen seien Teil der islamischen Kultur. Seine Aktivität bei Twitter zeigt: Er ist wohlauf. Mindestens zwanzig Tweets hat er binnen weniger Stunden nach dem Anschlag verbreitet. In den meisten verbreitet er islamfeindliche Inhalte. Watson fordert, die Menschen sollten endlich aufwachen und erkennen, wie gefährlich der Islam sei.

Der Account @AntifaGamerGate twitterte nach dem Anschlag eine ähnliche Vermisstenanzeige.

Auch hier wird wieder ein angeblich vermisster Ehemann gesucht. Auf dem Bild ist der Blogger Beardson Beardly zu sehen, der der rechtsextremen Alt-Right-Bewegung nahestehen soll. Im Netz posiert er unter anderem mit Hakenkreuzbinde und Nazisymbolen.

Falscher Verdächtiger

Ein weiterer Account verbreitete kurz nach dem Attentat ein Bild, auf dem der angebliche Täter zu sehen sein soll - kurz nach der Tat hinter dem Steuer eines silbernen Autos.

Zu dem Zeitpunkt gab es keine offiziellen Informationen zu den Tatverdächtigen. Das Onlinemagazin "Buzzfeed" schreibt, der Mann auf dem verschwommenen Foto sei Samuel Hyde, ein amerikanischer Komödiant.

Falsche Zitate

Auch aus dem Zusammenhang gerissene Behauptungen und falsche Zitate verbreiteten sich in Windeseile in den Sozialen Medien. So hat zum Beispiel Mike Cernovich, Autor und selbsternannter Hüter über die nationale Sicherheit der USA, folgenden Tweet veröffentlicht:

Darin zitiert er den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan mit dem Satz, Terrorismus gehöre zum Lebensgefühl in einer großen Stadt dazu. Tatsächlich hat Khan das so nie gesagt. Stattdessen sagte er nach dem Terroranschlag in London am 22. März 2017 auf der Westminster-Brücke im Londoner Regierungsviertel:

Part and parcel of living in a great global city is you’ve got to be prepared for these things, you’ve got to be vigilant, you’ve got to support the police doing an incredibly hard job...

Auf deutsch heißt das in etwa: Wenn man in einer großen globalen Stadt lebe, sei es unvermeidbar, dass man vorbereitet sein müsse auf solche Dinge. Dass man wachsam sein und die Polizei dabei unterstützen müsse, ihre unglaublich harte Arbeit zu erledigen.

Donald Trump reißt Zitat aus Zusammenhang

Nach dem gestrigen Anschlag teilte der Bürgermeister heute Morgen mit, dass es in den nächsten Tagen zu einer verstärkten Polizeipräsenz käme - was aber niemanden in Alarm versetzen solle.

US-Präsident Donald Trump riss dieses Zitat von Khan aus dem Zusammenhang und kritisierte via Twitter: "Mindestens sieben tot und 48 verwundet bei einer Terrorattacke, und der Bürgermeister von London sagt, es gibt keinen Grund, alarmiert zu sein!", twitterte Trump.

Ein Sprecher des Londoner Bürgermeisters reagierte daraufhin mit den Worten, Khan sei sehr beschäftigt damit, die Arbeit von Polizei, Rettungsdiensten und der Regierung zu koordinieren. Er habe Wichtigeres zu tun als auf Donald Trumps schlecht informierten Tweet zu reagieren.

Darstellung: