Flagge von Katalonien. | Bildquelle: AP

Katalonien-Krise Wollen russische Hacker die Wahl beeinflussen?

Stand: 15.11.2017 18:16 Uhr

Die spanische Regierung vermutet, dass sich Russland in den Katalonien-Konflikt einmischt. Genauer gesagt: Russische Hacker und WikiLeaks-Gründer Assange. Der Verdacht: Sie stecken hinter einer Cyber-Kampagne und wollen angeblich die Regionalwahlen am 21. Dezember beeinflussen.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Oliver Neuroth, HR

Für Aufregung sorgt ein Foto, das die spanische Zeitung "El País" veröffentlicht hat. Darauf zu sehen: Ein bekannter katalanischer Unternehmer, der die Botschaft Ecuadors in London verlässt - das Domizil von WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Was steckt hinter einem möglichen Treffen der beiden, welche Verbindungen haben sie?

Spaniens Ministerpräsident Rajoy fordert in einem Radiointerview Klarheit: "Eine der Personen, die wie kaum eine andere die Unabhängigkeit Kataloniens und Ex-Regierungschef Carles Puigdemont unterstützt hat, trifft sich mit Herrn Assange. Es ist nun sehr wichtig, dass diese Leute der Öffentlichkeit erklären, was sie miteinander zu tun haben und planen."

Kritiker sagen, es könnte Geld geflossen sein. Unterstützt der katalanische Unternehmer Assange dafür, dass er gegen den spanischen Staat Stimmung macht? Beide bestreiten das.

Assange hat mehr als eine halbe Million Follower bei Twitter, seine Tweets werden also beachtet. In den vergangenen Monaten hatte er mehrmals den spanischen Staat für seine Haltung gegenüber der Unabhängigkeitsbewegung kritisiert und sprach sich für das Selbstbestimmungsrecht der Katalanen aus.

"Fake-Profile aus Russland und Venezuela"

Die spanische Regierung geht inzwischen fest davon aus, dass sich ausländische Kräfte in den katalanischen Wahlkampf einmischen - über gefälschte Nutzerkonten in sozialen Netzwerken. Regierungschef Rajoy: "Ich kann nicht definitiv sagen, dass die russische Regierung dahinter steckt. Was wir aber wissen: 55 Prozent dieser Fake-Profile kommen aus Russland, 30 Prozent aus Venezuela."

Rückendeckung bekommt Rajoy von der George Washington University in den USA. Dort forscht der Spanier Javier Lesaca; er stellt in einer Untersuchung fest, dass aus dem Umfeld des Kreml gezielt in sozialen Netzwerken Stimmung gegen den spanischen Staat gemacht wurde - vor allem über Twitter. Rund um das verbotene Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien am 1. Oktober hätten acht von zehn Posts zu dem Thema das Projekt der Separatisten unterstützt.

Diese Propaganda laufe vor allem über automatisierte Profile, sagt Wissenschaftler Lesaca: "87 Prozent der Posts wurden nicht von Menschen versendet. Von den Profilen wurden oft mehr als 100 Posts am Tag verschickt - oft nur Re-Tweets, keine eigenen. Viele der Profile sind auch gleichgeschaltet mit anderen."

Technisch möglich machen das bestimmte Computer-Programme. Auch im US-Wahlkampf sorgten Berichte über Cyber-Attacken von ausländischen Regierungen für Schlagzeilen - und die USA meinten auch, einen Schuldigen gefunden zu haben: Die russische Software-Firma Kaspersky. Einer ihrer Sprecher, Alfonso Ramírez, weist Vorwürfe der Einflussnahme zurück: "Wir haben nie einer Regierung bei einer Cyber-Attacke oder einer Spionage geholfen. Und das werden wir auch nie tun."

Es bleibt also vorerst bei Vorwürfen der spanischen Regierung, Hacker würden sich in den katalanischen Wahlkampf einschalten. Beweise legt sie bisher nicht vor.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. November 2017 um 19:08 Uhr.

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