Flagge von Katalonien. | Bildquelle: AP

Katalonien-Krise Spanien spricht von russischer Kampagne

Stand: 14.11.2017 08:38 Uhr

Spanien hat vor einer mutmaßlichen Desinformationskampagne in Katalonien gewarnt. Ausgangspunkt sei russisches Territorium, erklärte die spanische Verteidigungsministerin. Beweise legte die Regierung in Madrid bislang allerdings nicht vor.

Spanien hat nach eigener Darstellung Belege für eine versuchte Einflussnahme russischer Gruppen auf das Katalonien-Referendum. "Wir wissen heute, dass viel davon von russischem Territorium ausging", sagte Verteidigungsministerin Maria Dolores de Cospedal auf einem EU-Ministertreffen in Brüssel. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP sagte die Ministerin, es lasse sich noch nicht genau bestimmen, wer die Quelle sei und ob die russische Regierung beteiligt sei.

Angeblich liegen Beweise vor

Spanien hat bislang allerdings noch keine Beweise für die Behauptungen vorgelegt. Auf die Frage nach Belegen sagte Außenminister Alfonso Dastis nach Reuters-Angaben: "Ja, wir haben Beweise." In sozialen Netzwerken seien gefälschte Nutzerkonten entdeckt worden, die zur Hälfte nach Russland und zu 30 Prozent nach Venezuela zurückverfolgt worden seien. Cospedal sprach ihrerseits von Belegen, dass staatliche und private russische Gruppen über Internet-Plattformen wie Twitter und Facebook die Separatisten gefördert hätten.

Dastis verwies nach AP-Angaben zudem auf ein Treffen einer führenden Persönlichkeit der Unabhängigkeitsbewegung mit WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Es gebe Hinweise, dass Assange und andere versuchten, sich in der Katalonien-Krise "einzumischen und zu manipulieren".

Vergleich mit Platz des Himmlischen Friedens

Tatsächlich hatte sich Assange massiv in die Debatte um eine Unabhängigkeit eingeschaltet. Auf Twitter provozierte er mit einem gewagten Vergleich. Dort verbreitete Assange ein Foto vom Platz des Himmlischen Friedens von 1989 und setzte das katalanische Streben nach Unabhängigkeit mit dem blutig niedergeschlagenen Volksaufstand in China gleich.

Kaum ein anderer internationaler Account verhalf dem Thema zu so viel Aufmerksamkeit, besonders im englischsprachigen Raum: So stammten die drei Tweets mit der größten Reichweite im September zum Stichwort "Catalonia" entweder von Assange selbst oder von WikiLeaks, wie eine Analyse mit der Analyse-Software "Newswhip" gezeigt hat.

Vorwürfe zurückgewiesen

Ein Vertreter der katalanischen Separatisten wies erneut die Vorstellung zurück, eine russische Einflussnahme habe das Referendum beeinflusst. Auch die Regierung in Moskau dementierte entsprechende Vorwürfe.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. November 2017 um 19:08 Uhr.

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