Flüchtlinge auf einem Boot im Mittelmeer (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Flucht nach Europa Wie viele Menschen kamen 2017?

Stand: 12.01.2018 09:36 Uhr

Im vergangenen Jahr hat die Grenzschutzagentur Frontex mehr als 200.000 versuchte Grenzübertritte in die EU gezählt. Das waren deutlich weniger als im Jahr zuvor. Die meisten Flüchtlinge kamen über das Mittelmeer - wie viele auf See starben, ist unklar.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Nach vorläufigen Angaben von Frontex sind im Jahr 2017 an den EU-Außengrenzen insgesamt 204.300 versuchte Grenzübertritte festgestellt worden. Das seien etwa 60 Prozent weniger als im Jahr zuvor, teilte Frontex mit und wies darauf hin, dass die Zahl der illegalen Übertritte nicht mit der Zahl der Flüchtlinge übereinstimmen müsse, da eine Person auch mehrfach versucht haben könnte, in die EU zu kommen.

Mehr Fluchtversuche nach Spanien

Während die Zahl der Flüchtlinge im östlichen und zentralen Mittelmeerraum demnach deutlich zurückging, stieg die Zahl an Spaniens Küsten stark. Über die westliche Mittelmeerroute machten sich laut Frontex vor allem Menschen aus Algerien und Marokko auf den Weg in die EU.

Über die sogenannte zentrale Mittelmeerroute kamen demnach an den Küsten Italiens etwa 119.000 Menschen an; die meisten aus Nigeria, gefolgt von Guinea und der Elfenbeinküste.

An der EU-Außengrenze zur Türkei zählte Frontex auf dem Land- und Seeweg insgesamt 41.700 illegale Grenzübertritte - weniger als ein Viertel der Zahl aus dem Jahr 2016. Hier versuchten vor allem Menschen aus Syrien und dem Irak in die EU zu gelangen.

Wie viele Menschen starben?

Zu der Zahl der Todesopfer, die aus dem Mittelmeer geborgen wurden oder über verschwundene Flüchtlingsboote, machte Frontex keine Angaben.

Über die Zahl der Todesopfer auf dem Mittelmeer liegen keine gesicherten Zahlen vor. Nach Angaben von Seenotrettern berichten gerettete Flüchtlinge immer wieder davon, dass sie mit mehreren Booten unterwegs gewesen seien, von denen einige einfach verschwunden seien.

Erst am 10. Januar wurde gemeldet, dass bei einem Bootsunglück auf dem Mittelmeer erneut zahlreiche Flüchtlinge ertrunken seien. Bis zu 100 Menschen würden vermisst, vermutlich komme jede Hilfe zu spät, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf unter Berufung auf die libysche Küstenwache mit. Hingegen sei es gelungen, 279 Menschen aus drei Schlauchbooten zu retten, darunter 19 Frauen, 243 Männer sowie 13 Kinder. Die Überlebenden stammten aus Gambia, Senegal, Sudan, Mali, Nigeria, Bangladesch und Pakistan, hieß es.

"Ein weiteres dramatisches Unglück vor der libyschen Küste: Nach dem dritten tödlichen Schiffbruch seit Samstag im Mittelmeer werden bis zu 100 Migranten vermisst", twitterte IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo.

Den IOM-Angaben zufolge sind im neuen Jahr bei Bootsunglücken bereits fast 200 Menschen auf dem Mittelmeer ums Leben gekommen oder würden vermisst. Im gesamten Monat Dezember 2017 seien 26 Migranten im Mittelmeer ertrunken.

Die UN-Organisation IOM versucht, die Zahl der Todesopfer und der vermissten Personen zu dokumentieren. Demnach starben im vergangenen Jahr 2832 Menschen auf dem Weg von Nordafrika nach Italien. Im Jahr 2016 waren es laut IOM sogar 4581 Personen.

Insgesamt kamen nach IOM-Angaben im vergangenen Jahr etwa 3100 Flüchtlinge auf dem Mittelmeer ums Leben. Möglicherweise liegt die Zahl aber noch weit höher.

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