Palästinensische Demonstranten suchen Schutz vor dem Tränengas israelischer Sicherheitskräfte.

Aufruf der Hamas Was ist die Intifada?

Stand: 07.12.2017 13:31 Uhr

Die Hamas knüpft mit ihrem Aufruf zu einer Intifada an zwei vorherige Aufstände an. Während die erste Intifada auch noch friedliche Aktionen umfasste, nahm die Brutalität im Laufe der Jahre immer weiter zu, Tausende Menschen wurden getötet.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Der arabische Begriff Intifada bedeutet dem Duden zufolge Aufstand oder Erhebung. Er beschreibt einen allumfassenden palästinensischen Aufstand gegen Israel, der sich sowohl auf die palästinensischen Gebiete als auch Israel selbst bezieht. Bislang hat es zwei Intifada-Bewegungen gegeben. Der Begriff wird aber auch in anderen Zusammenhängen immer wieder benutzt. So bezeichnen palästinensische Aktivisten beispielsweise ein Projekt im Netz als "Elektronische Intifada".

1987: Die erste Intifada beginnt

Die erste Intifada hatte im Jahr 1987 als "Krieg der Steine" begonnen. Ausgangspunkt war ein Vorfall am Grenzübergang Erez zum Gazastreifen, als bei einem Unfall mit einem israelischen Militärlastwagen und zwei Taxen vier Palästinenser starben.

Die erste Intifada begann 1987, die zweite im Jahr 2000.

Zu der ersten Intifada zählten friedliche Aktionsformen wie ein Generalstreik, die Gründung von Hilfskomitees, das Hissen der damals verbotenen palästinensischen Flagge oder das Verteilen von Flugblättern. Zunehmend setzten Palästinenser aber auf militante Aktionen: Neben Steinen wurden vor allem Molotow-Cocktails eingesetzt.

Bei der ersten Intifada starben weit mehr als 1000 Menschen, die große Mehrheit Palästinenser. Viele kamen bei Kämpfen mit israelischen Soldaten ums Leben, andere wurden von Palästinensern selbst getötet, die gegen mutmaßliche Kollaborateure mit Lynchjustiz und Plünderungen vorgingen.

In diese Zeit fällt auch die Gründung der islamistischen Hamas im Dezember 1987. In ihrer Gründungscharta bezieht sich die Hamas auf antisemitische Fälschungen wie "Die Protokolle der Weisen von Zion". Israel wird darin als "zionistisches Gebilde" bezeichnet, jeder Muslim sei aufgerufen, gegen Israel zu kämpfen. Die Hamas ging aus der ägyptischen Muslimbruderschaft hervor und gewann während der ersten Intifada an Zulauf.

Hamas-Kämpfer im Gazastreifen: Die Islamisten riefen mehrfach zu einer dritten Intifada auf.

Im September 1993 wurde in Washington das Oslo-Abkommen unterzeichnet, das den Weg ebnen sollte zu einer palästinensischen Selbstverwaltung. Die Hamas lehnte solche Annäherungen als Verrat ab. 1993 verübte die Hamas den ersten Selbstmordanschlag in Israel, ab 1994 auch gegen Zivilisten, die der Hamas zufolge ebenfalls als militärische Ziele zu betrachten seien.

2000: Die zweite Intifada beginnt

Ende September 2000 begannen die Palästinenser einen neuen Aufstand, nachdem der damalige Oppositionsführer Ariel Scharon den Tempelberg in Jerusalem besucht hatte. Gegen den Besuch gab es zunächst friedliche Proteste, danach kam es aber zu Auseinandersetzungen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften. Die Palästinenser sprechen daher von der Al-Aksa-Intifada, was die religiöse Komponente des zweiten Aufstands betont.

Während die erste Intifada zumindest anfangs noch friedliche Aktionen umfasste, war die zweite Intifada weit militanter. Selbstmordanschläge, Raketenangriffe und Militäreinsätze führten zu einer immensen Zahl von Todesopfern: Mehr als 3000 Palästinenser kamen ums Leben - und weit mehr als 1000 Israelis. Der jüdische Staat wurde durch zahlreiche Selbstmordanschläge erschüttert. So tötete beispielsweise im März 2002 ein Hamas-Selbstmordattentäter in einem Hotel in Netanya 22 Menschen. Als Reaktion besetzte Israel den Amtssitz von Jassir Arafat und rückte in das Flüchtlingslager Dschenin ein. Im März 2004 tötete die israelische Armee den spirituellen Führer der Hamas, Scheich Ahmad Yasin.

Als Ende der zweiten Intifada gilt der im Jahr 2005 auf dem Gipfeltreffen von Scharm-El-Scheich vereinbarte Friedensdialog. Israel begann, mehrere palästinensische Städte sowie den Gazastreifen zu räumen.

Hamas rief mehrfach zu Intifada auf

Seit dem Ende der zweiten Intifada wird immer wieder darüber spekuliert, ob es einen weiteren Aufstand der Palästinenser geben könnte. So drohte die Hamas beispielsweise 2006 mit einer neuen Intifada, wenn eine Finanzblockade nicht aufgehoben werde. Auch 2008 riefen die Islamisten zu einem neuen Aufstand auf - inklusive Selbstmordaktionen.

Nach zahlreichen Attacken auf Israelis in den vergangenen Jahren war zudem bereits mehrfach von einer Messer- oder Auto-Intifada die Rede. 2015 versuchte die Hamas, eine neue Al-Aksa-Intifada zu initiieren - vor allem über die sozialen Medien. Nun versucht die islamistische Bewegung, den Streit um Jerusalem zu nutzen, um eine neue Intifada auszulösen.

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