Brennende Barrikaden im Schanzenviertel | Bildquelle: AP

Nach G20-Gipfel in Hamburg Die Internationale der Krawallmacher?

Stand: 10.07.2017 16:14 Uhr

In Hamburg sind nach den G20-Ausschreitungen mehr als 50 Haftbefehle angeordnet worden. Unter den Beschuldigten gibt es Franzosen, Spanier und Italiener. Welche Rolle spielten ausländische Autonome bei den Krawallen?

Von Kristin Becker, SWR, und Patrick Gensing, tagesschau.de

In den vergangenen Tagen ist viel darüber spekuliert worden, welche Rolle Linksradikale aus dem europäischen Ausland bei den Krawallen in Hamburg gespielt haben. Angesichts der sehr unübersichtlichen Situation in Hamburg und den politisch unterschiedlichen Gruppen bei den Protesten scheint eine Beurteilung schwierig, wer friedlich protestiert hat, wie bei der Demonstration "Grenzenlose Solidarität statt G20" - und wer tatsächlich an Straftaten beteiligt war.

In ganz Europa war zum G20-Gipfel mobilisiert worden. Oliver Neuroth, ARD-Korrespondent in Madrid, berichtet, im Vorfeld sei in der linksradikalen Szene Spaniens ein Aufruf verbreitet worden, in dem es heißt, man wolle Hamburg ins Chaos stürzen. Eine Gruppe aus der Region Valencia hatte mit einem martialisch anmutenden Foto auf Twitter angekündigt, nun gehe es los nach St. Pauli.

Linksradikale aus Spanien berichteten in den vergangenen Tagen aus Hamburg, veröffentlichten offenkundig eigene Bilder und Videos von den Krawallen.

Zudem sprühten Unbekannte Parolen auf Spanisch und Baskisch an die Wand eines geplünderten Geschäfts im Schanzenviertel. Nach Informationen des ARD-Studios Madrid wurde mindestens ein Mann aus Bilbao in Hamburg festgenommen. In seiner Heimat wurde dagegen bereits am Samstag demonstriert. Weitere Kundgebungen sind geplant.

Blick am 08.07.2017 in Hamburg in ein geplündertes Geschäft im Schanzenviertel. | Bildquelle: dpa

Spanische und baskische Parole in einem geplünderten Geschäft im Schanzenviertel.

Eine große Rolle bei der internationalen Vernetzung spielt die Plattform "Indymedia", auf der es unterschiedliche Sektionen gibt - beispielsweise auch für Athen: Griechische Anarchisten berichteten via "Indymedia" direkt aus Hamburg, posteten zahlreiche Bilder von Aktionen und Ausschreitungen. Unter anderem veröffentlichten die griechischen Linksradikalen ein offenkundig selbst gedrehtes Video von Krawallen im Schanzenviertel, aufgenommen direkt an einer Barrikade.

Bekennerschreiben veröffentlicht

"Indymedia" war bei den Protesten gegen G20 auch für deutsche Linke eine wichtige Plattform: So gab es dort einen Live-Ticker mit einer interaktiven Karte, auf der Barrikaden, Demonstrationen und andere Proteste dokumentiert wurden. Zudem tauchte auf "Indymedia" ein Bekennerschreiben auf. In diesem reklamierte eine Gruppe mit dem Namen "uncontrolled riots welcome" einen Brandanschlag auf ein angebliches Diplomatenfahrzeug für sich:

Wir haben am frühen Morgen des Gipfel-Samstags ein im Dohrnweg geparktes Diplomaten-Fahrzeug (Kennzeichen 0-) in Hamburg-Sternschanze angezündet. In unmittelbarer Nachbarschaft zur begrüßenswerten, politischen Randale am Schulterblatt brannte der Kleinbus für den Transport von Regierungsangehörigen vollständig aus.

Tatsächlich brannte in der Nacht von Freitag auf Samstag ein Mercedes-Mehrsitzer vor einer Schule mitten in einem Wohnviertel in der Altstadt von Altona an der Grenze zum Schanzenviertel komplett aus. Das Fahrzeug trug ein Diplomaten-Kennzeichen mit der Landeskennzahl für Indonesien. Nach der Räumung des Schanzenviertels waren zahlreiche Personen auf diesem Weg in Richtung Altona geflohen.

Ein brennendes Diplomatenfahrzeug wird gelöscht.

Am Dohrnweg in Altona löschte die Feuerwehr ein Diplomatenfahrzeug.

Ausgebranntes Diplomatenfahrzeug in Hamburg Altona

Der Kleinbus mit der Landeskennzahl für Indonesien brannte vollständig aus.

Neben griechischen und spanischen Gruppen waren unter anderem auch Schweizer Linksradikale dabei. Eine "Revolutionäre Jugend" berichtete via Twitter aus Hamburg; der Account wurde mittlerweile gesperrt.

Vor allem junge Männer in Haft

Inzwischen hat das Amtsgericht Hamburg in 51 Fällen Untersuchungshaft angeordnet. Bei den Festgenommenen handelt es sich überwiegend um Männer, die jünger als 30 Jahre sind. Neben zahlreichen Deutschen befinden sich auch Staatsbürger aus Frankreich, Italien, Spanien, Russland, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich in Haft.

Die Bilder der Krawalle gingen um die Welt - für einige Linksradikale scheint sich die Reise nach Hamburg damit gelohnt zu haben; eine Madrider Gruppe twitterte nach dem Gipfel: "Wir verlassen nun diese schöne Stadt - nach vier Tagen des Kampfes!" Und weiter: "Hasta pronto, Hamburg." Auf Deutsch: Bis bald.

Was ist der Schwarze Block?
tagesschau24 15:00 Uhr, 10.07.2017, Tilmann Seiler, BR

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Juli 2017 um 15:00 Uhr.

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