Der unabhängige Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron bei der TV-Debatte. | Bildquelle: dpa

Präsidentschaftswahl in Frankreich Polit-Debatte mit Gerücht aus dem Netz

Stand: 04.05.2017 22:51 Uhr

Im Internet häufen sich Lügen um den französischen Präsidentschaftskandidaten Macron. Sie stammen vor allem von rechtsextremen Nutzern aus den USA und Russland. In Frankreich selbst finden sie kaum Beachtung.

Von Jenny Stern, BR

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Im TV-Duell vor der Wahl in Frankreich konfrontierte die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen ihren Kontrahenten Emmanuel Macron mit dem alten Vorwurf, ein heimliches Auslandskonto zu besitzen: "Ich hoffe, dass man nicht herausfinden wird, dass Sie ein Offshore-Konto auf den Bahamas haben." Damit trat sie in den sozialen Netzwerken eine Welle los - vor allem in den USA und Russland, weniger in Frankreich selbst.

Die Rechtspopulistin Le Pen bezog sich mit ihrer Aussage wohl auf einen Post im englischsprachigen Onlineforum "4chan", den ein anonymer Nutzer wenige Stunden zuvor veröffentlicht hatte. Zwei angehängte Dokumente, eines davon angeblich von Macron unterzeichnet, sollten beweisen, dass der Präsidentschaftskandidat Steuern hinterziehe.

Screenshot des "4chan"-Posts über Macron

Macron spricht von typischen Fake News

Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete mit Verweis auf Macrons Umfeld, die Unterschrift sei gefälscht. Am Donnerstag stellte dieser Strafanzeige gegen Unbekannt, unter anderem wegen "Fälschung" und "Verbreitung einer Falschnachricht". Im öffentlich-rechtlichen Hörfunk "Radio France" erklärte Macron, es seien typische Fake News: Le Pen lanciere Inhalte, die dann von ihren Truppen im Internet verbreitet würden. "Ich habe niemals ein Konto gehabt, in welchem Steuerparadies auch immer", sagte Macron im Interview.

Der Kommunikationswissenschaftler Nicolas Vanderbiest von der Katholischen Universität Löwen hat in einer Grafik dargestellt, wie sich der Hashtag #MacronGate und damit die unbestätigte Nachricht eines Offshore-Kontos Macrons auf Twitter verbreiteten. Die Kurve stieg ab 22 Uhr steil an und erreichte um Mitternacht, kurz nach Ende der Debatte, ihren Höhepunkt.

Einen weiteren Hashtag gegen Macron wollte auch der anonyme "4chan"-User verbreiten: "Wenn wir es schaffen, dass #MacronCacheCash heute Abend zur Debatte in Frankreich trendet, könnte das französische Wähler davon abhalten, Macron zu wählen", schrieb er auf Englisch. Das Twitter-Schlagwort unterstellt dem Präsidentschaftskandidaten, er würde Geld verstecken.

Gerücht über Offshore-Konto verbreitet sich

Wie sich der Inhalt des Posts schließlich im Netz verbreitete, untersuchte die Huffington Post. Demnach griff die englischsprachige Webseite "Disobedient Media" den Inhalt auf und verarbeitete sie zu einem Text mit dem Titel "Dokumente weisen darauf hin, dass Emmanuel Macron in Steuerhinterziehungen verstrickt sein könnte". Die recht vage These des Artikels lautet: Dokumente könnten beweisen, dass Macron eine Strohfirma auf der karibischen Insel Nevis gegründet haben könnte und dass diese Firma eine Verbindung mit einer Bank gehabt haben könnte, die zuvor in Fälle von Steuerhinterziehung auf den Cayman Islands involviert war.

Wer die Kampagne gegen Macron danach weiter vorantrieb, will die Huffington Post auch wissen: So stellte sie fest, dass die Inhalte zunächst von Netzwerken geteilt wurden, die dem US-Präsidenten Donald Trump nahestehen und dann von Konten aufgegriffen wurden, die mit den russischen Medien "Sputnik" und "Russia Today" in Beziehung stehen. Mit dem Hashtag #MacronGate seien sie schließlich in Frankreich gelandet. Auf diese Verbindungen wies auch Kommunikationswissenschaftler Vanderbiest hin.

Das Umfeld Macrons kommt laut der Nachrichtenagentur AFP zu demselben Ergebnis: Die Fake News seien zunächst von Anhängern Trumps verbreitet worden und danach von Konten, die mit "Sputnik" und "Russia Today" in Verbindung gebracht werden.

Kaum Bedeutung in Frankreich

Gezielte Aktionen im Netz gegen den Präsidentschaftskandidaten Macron, vor allem von rechten Bewegungen aus den USA und Russland, konnten Medien vielfach nachweisen. Die "New York Times" hält ihren Einfluss auf die Wahl in Frankreich aber für gering: Nur wenige Hashtags, die in den USA entstehen, kämen überhaupt in Frankreich an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Mai 2017 um 04:58 Uhr.

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