Fans der französischen Nationalmannschaft beim Public Viewing. | Bildquelle: dpa

WM-Sicherheitskonzept Fanmeilen auch in Frankreich erlaubt

Stand: 01.06.2018 12:20 Uhr

Der Sportnachrichtendienst SID hat im Netz für Missverständnisse gesorgt. Zur Fußball-WM sei in Frankreich Public Viewing verboten worden, meldete die Agentur. Doch Fanmeilen sind erlaubt.

Von Wolfgang Wichmann, tagesschau.de

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Wolfgang Wichmann, tagesschau.de

In Frankreich sind Fanmeilen während der Fußball-WM erlaubt. Medieninformationen, wonach sein Ministerium Public Viewing in öffentlichen Bereichen grundsätzlich verbiete, träfen nicht zu, sagte Innenminister Gérard Collomb in Paris. Zuvor hatten mehrere Medien in Deutschland und Frankreich gemeldet, dass Public Viewing während der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland aus Angst vor Terrorangriffen in Frankreich generell untersagt worden sei.

Die Erklärung Collombs im Original finden Sie hier.

Keine Verschärfung der bisherigen Regeln

Ebenfalls falsch sind Meldungen, wonach die bisherigen Sicherheitsvorkehrungen verschärft wurden. Gegenüber der Fußball-EM 2016, die in Frankreich stattfand, gebe es keine Änderung bei den Sicherheitsanforderungen, teilte Collomb mit.

Frankreich unterschied schon 2016 zwischen Veranstaltungen in gesicherten Bereichen (Fanmeilen, Stadien, geschlossenen Räumen) und ungesichertem Public Viewing im öffentlichen Raum (etwa Außenbereiche von Restaurants und Kneipen). Besucher der zehn offiziellen Fanmeilen waren damals dreifach kontrolliert worden.

Im Gegensatz dazu war Public Viewing im öffentlichen Raum jenseits der Fanmeilen auch 2016 bereits aus Sorge vor Anschlägen untersagt. Kneipen und Restaurants durften ihre Fernseher und Videoleinwände nur in geschlossenen Räumen oder in von außen nicht zugänglichen Biergärten und auf abgeschlossenen Terrassenbereichen aufstellen.

Damals galt in Frankreich angesichts anhaltender Terrorgefahr noch der Ausnahmezustand - der mehrfach verlängert worden war. Dieser Ausnahmezustand ist mittlerweile aufgehoben. Teile des Ausnahmezustands wurden aber durch ein neues Anti-Terror-Gesetz in die Gesetzgebung überführt. Nun sollen also die Regeln für das Public Viewing von 2016 auch für die anstehende WM gelten. Das Turnier findet vom 14. Juni bis 15. Juli in Russland statt.

Public Viewing - wie hier in Berlin bei der WM 2010 - soll es auch in diesem Sommer in Frankreich möglich bleiben. Es gelten aber weiter strenge Sicherheitsauflagen.

Ursprung beim Sportnachrichtendienst SID

Der französische Innenminister hatte sich in einer ersten Stellungnahme am Dienstag offenbar missverständlich ausgedrückt. Der Inhalt dieser Erklärung vom Dienstag war dann zunächst von der französischen Nachrichtenagentur AFP auf Französisch und Englisch veröffentlicht worden. Von einem Public-Viewing-Verbot war in diesen Meldungen keine Rede. Vielmehr wurde erklärt, dass die bereits im Jahr 2016 aufgestellten Regeln zum Thema Sicherheit erneut gelten sollen.

Für Verwirrung hierzulande sorgte dann aber die deutsche Version dieser Meldung durch den Sportinformationsdienst SID, der ein Tochterunternehmen der AFP ist. SID hatte zunächst am Dienstagabend und dann am Mittwochmorgen gemeldet: "Frankreich verbietet aus Angst vor Terroranschlägen Public Viewing an öffentlichen Orten während der Fußball-Weltmeisterschaft (14. Juni bis 15. Juli)." Ergänzt mit Zitaten, die darauf aufmerksam machen konnten, dass es nicht um ein neues Verbot, sondern um die Umsetzung bereits bewährter Regelungen gehen soll:

'Wir erinnern alle öffentlich gewählten Vertreter daran, dass Zonen mit großen Bildschirmen im öffentlichen Raum verboten sind', heißt es in der Erklärung des Ministeriums. 'Angesichts des aktuellen Klimas terroristischer Bedrohungen müssen die bei der vergangenen Europameisterschaft angewandten Sicherheitsverfahren wieder mit derselben Effizienz eingesetzt werden.'

"Missverständliche Einordnung"

Auf Anfrage des ARD-faktenfinder räumte der SID ein, die Erklärung des französischen Innenministeriums "missverständlich eingeordnet" zu haben.

Besonders problematisch ist die Schlagzeile für User in Deutschland nicht zuletzt deshalb, weil hierzulande Public Viewing an öffentlichen Orten mit dem Erlebnis wie etwa auf Fanmeilen synonym verwendet wird. Das französische Innenministerium sieht hier aber eben einen wichtigen Unterschied.

Meldung wird schnell übernommen

Die vom SID verbreitete Schlagzeile wurde von zahlreichen Medien übernommen. So landete der Satz "Frankreich verbietet Public Viewing an öffentlichen Orten während der WM" in Meldungen unter anderem bei Eurosport, bei Focus Online oder der Welt, die teils unverändert online abrufbar sind.

AfD verbreitet falsche Schlagzeile

Auch in den sozialen Medien findet sich die falsche Interpretation der SID-Meldung wieder, Frankreich hätte das Public Viewing während der Fußball-Weltmeisterschaft generell verboten. So wirbt beispielsweise die AfD auf ihrem Facebook- und Twitter-Account damit um Wählerstimmen.

"Frankreich untersagt #PublicViewing", heißt es beispielsweise in einem Tweet, der noch immer online abrufbar ist. Auf dem angehängten Fotopost steht dann schlicht falsch: "Terrorangst in Frankreich - keine öffentl. WM-Übertragungen! - Finger weg von unserem Public Viewing." Der Fotopost ist auch auf der Facebook-Seite der Partei weiterhin abrufbar.

Aufklärung darüber, dass es in Frankreich Public Viewing unter bestimmten Sicherheitsvorkehrungen gibt, findet sich lediglich im Begleittext des Fotos bei Facebook, der auch im entsprechenden Tweet verlinkt ist. Dort heißt es unter anderem: "Mittlerweile hat man offenbar diese Meldung geändert: Nun ist nicht mehr von einem Verbot, sondern 'nur' noch von strengeren Sicherheitskontrollen die Rede." Gelöscht wurden die Posts von der AfD aber nicht.

Die AfD wirbt mit falscher Schlagzeile um Wählerstimmen: Öffentliche WM-Übertragungen sind in Frankreich mit entsprechenden Sicherheitsauflagen möglich. Ein entsprechender Hinweis wurde lediglich im Begleittext ergänzt.

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