Demonstration für Bolsonaro | Bildquelle: Fernando Bizerra Jr/EPA-EFE/REX/

Brasilien Mit Fake News zum Wahlsieg?

Stand: 24.10.2018 11:39 Uhr

Wenige Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien deuten Umfragen auf einen Sieg des ultra-rechten Kandidaten Bolsonaro hin. Der setzt im Wahlkampf auf eine Fake-News-Kampagne.

Ivo Marusczyk, BR

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Südamerika

"Wir werden eine große Säuberung durchführen. Die linke Clique wird sich unseren Gesetzen unterordnen müssen, wenn sie hier bleiben will. Sonst müssen sie abhauen oder sie werden in den Knast wandern." Wenige Tage vor der Wahl wird der Ton noch einmal rauer in Brasiliens Wahlkampf: Jair Bolsonaro, der ultra-rechte Kandidat, der die Wahl am Sonntag nach allen Umfragen gewinnen wird, heizt die Stimmung noch an.

Seinen Anhängern ruft Bolsonaro zu: "Diese roten Verbrecher werden wir aus unserem Vaterland verstoßen." Sein Gegner in der Stichwahl, Fernando Haddad, werde Ex-Präsident Lula da Silva schon bald im Gefängnis Gesellschaft leisten. So spricht ein Mann, der schon bald das fünftgrößte Land der Erde regieren dürfte.

Jair Bolsonaro hält eine Puppe von sich selbst in die Höhe.

Wahlsieg laut Umfragen kaum noch zu nehmen

Dem gemäßigten Linken Haddad ist es nach der ersten Wahlrunde nicht gelungen, eine breite demokratische Front gegen Bolsonaro aufzubauen. Im Gegenteil: Bolsonaros Zustimmungswerte erreichen immer neue Höchstwerte. Der Wahlsieg ist ihm kaum noch zu nehmen, wenn die Umfragen zutreffen.

Frauen demonstrierten gegen Bolsonaro.

Donald Trump ist nicht nur in der Migrationspolitik und bei frauenverachtenden Sprüchen sein Vorbild. Auch wenn es gegen die Presse geht, macht Bolsonaro sich mittlerweile Trumps Worte zu Eigen. Vor allem schießt er gegen die "Folha de São Paulo", Brasiliens größte Zeitung: "Wir gewinnen diesen Krieg. Wir wollen eine freie Presse, aber die muss verantwortlich handeln. Die 'Folha' ist Brasiliens größte Fake News. Ihr werdet keine Werbegelder der Regierung mehr bekommen."

Flut von Fakes News

Denn die "Folha" wirft ihrerseits Bolsonaro eine gezielte Desinformationskampagne in großem Stil vor. Nach ihren Recherchen wurden die sozialen Netzwerke - vor allem WhatsApp-Gruppen - regelrecht mit Falschmeldungen geflutet - mit manipulierten und erfundenen Behauptungen über den linken Kandidaten Haddad.

Ziel von Fake News: Fernando Haddad

Kein Vorwurf war dabei zu abstrus: Haddad befürworte Inzest und Pädophilie, hieß es. Er fahre einen Luxus-Sportwagen und plane eine kommunistische Diktatur ohne jede Moral. Haddad wolle alle Kirchen verbieten, das Vermögen aller Brasilianer beschlagnahmen. Und seine Vize-Kandidatin sei der Meinung, Jesus sei Transvestit.

Diese Nachrichten wurden auf Bestellung von Unternehmen massenhaft verschickt. Unter anderem soll die Kaufhauskette Havan die Kampagne finanziert haben.

Maßgeblicher Einfluss?

Manche Beobachter glauben sogar, erst diese Kampagne habe die Stimmung zu Gunsten Bolsonaros zum Kippen gebracht. Die meisten Brasilianer lesen keine Zeitung und glauben auch den sogenannten Mainstream-Medien nicht mehr, sondern informieren sich nur noch über WhatsApp", sagt Oliver Stuenkel von der Getulio Vargas-Stiftung, die gleichzeitig Think Tank und Hochschule ist.

Die Stiftung übernimmt eine Vorreiterrolle im Kampf gegen Fake News. Marco Aurelio Ruediger, Direktor für Politikanalyse der Stiftung ergänzt: "Seit 2014 beobachten wir, wie bei allen wichtigen Gelegenheiten der brasilianischen Politik massiv Bots eingesetzt werden in den Debatten im Netz."

Zeitungen setzen auf Faktenprüfer

Mittlerweile reagiert die Presse auch. Fast alle brasilianischen Zeitungen haben Faktenfinder eingeführt, überprüfen und wiederlegen Behauptungen, die in den sozialen Netzwerken kursieren. Doch Ruediger befürchtet, dass das gegen die Fake-News-Kampagnen nichts hilft. "Manche teilen diese Sachen, weil sie den gegnerischen Kandidaten angreifen wollen. Sie wissen, dass es Fake News ist - aber teilen es trotzdem."

Fake News-Kampagne in Brasilien: Ein Rechtsradikaler greift nach der Macht
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
24.10.2018 08:53 Uhr

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