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Russisches Mediennetzwerk Facebooks Zickzackkurs

Stand: 01.03.2019 13:30 Uhr

Facebook hat die Seiten von mehreren Kanälen, die von Russland finanziert werden, erst gesperrt und nun wieder freigeschaltet. Eine Strategie im Umgang mit solchen Medien ist nicht zu erkennen.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Werbeanzeigen - mit Rubeln bezahlt, Fake-Profile und Gruppen - von Russland aus gesteuert: Mit solchen Mitteln sollte 2016 der Wahlkampf in den USA manipuliert werden. Seitdem steht Facebook unter politischem und öffentlichem Druck.

Die Aufarbeitung der Manipulationsversuche in sozialen Netzwerken bei der US-Wahl oder beim Brexit dauert bis heute an. Erst vergangene Woche stellte ein Ausschuss des britischen Parlaments einen Bericht dazu vor und warf Facebooks Führungsspitze vor, sich wie digtale Gangster zu benehmen. Aus E-Mails gehe hervor, dass der Konzern schon lange von den Einflussversuchen gewusst habe.

Russische Medienzentrale in Berlin

Mittlerweile sind neue Akteure und Methoden aufgetaucht: Social-Media-Kanäle, die von russischen Staatsmedien finanziert werden, und die Videos für ein junges, westliches Publikum veröffentlichen. Am 15. Februar löschte Facebook die Seiten von drei Kanälen, die von der Berliner Firma Maffick Media betrieben werden. Die Anteile an Maffick halten die ehemalige Reporterin des Staatssenders RT Anissa Naouai sowie die russische Nachrichtenagentur Ruptly.

Betroffen von der Sperrung waren "Waste-Ed", das über Umweltschutz berichtet, das Satire-Format "Soapbox" sowie "Back then", das historische Videos veröffentlicht, die sich oft mit Rassismus und westlichem Kolonialismus beschäftigen. Zudem war das Flaggschiff “In the Now” mit 3,8 Millionen Followern nicht mehr auf Facebook zu erreichen. Unbehelligt blieb hingegen das gleichfalls in Berlin ansässige Unternehmen "Redfish", das sich als linkes, rebellisches Medium präsentieren will und komplett von Ruptly finanziert wird.

CNN-Anfrage als Auslöser?

Wie es zu der plötzlichen Sperrung kam, ist unklar. Der Sender CNN vermutete, es habe sich um eine spontane Aktion von Facebook gehandelt, da CNN kurz zuvor eine Anfrage zu genau diesem russischen Social-Media-Netzwerk gestellt hatte.

Maffick Media schrieb von "Zensur". Man habe gegen keine Richtlinien von Facebook verstoßen. Andere Medien, wie beispielsweise die Deutsche Welle, würden auch staatlich unterstützt. Allerdings gibt die Deutsche Welle eindeutig den Hintergrund und die Finanzierung der Seite an, was bei den Maffick-Kanälen nicht der Fall war.

Der Social-Media-Kanal Back then gehört zu Maffick Media.

Der Kanal "Waste Ed" setzt auf Umweltthemen.

"Nicht an Details interessiert"

Ein Facebook-Sprecher sagte laut CNN zu der Sperrung, die Menschen sollten nicht getäuscht werden über die Hintergründe einer Seite. Daher werde man für mehr Transparenz sorgen. CNN zitierte zudem einen Manager von Maffick Media, der betonte, die Kanäle seien redaktionell unabhängig von RT. Das breite Publikum sei zudem nicht an Details zu den Seiten interessiert, behauptete er laut CNN.

Maffick's chief operating officer, J. Ray Sparks said Maffick is editorially independent of RT and claimed that it was "standard industry practice" not to disclose ownership of a Facebook page. "The general audience never is interested in these things and the standard practice is to simply not mention them, because the audience is not interested," he said.

"Außenministerium der NATO"

Die Chefredakteurin des Staatssenders RT, Margarita Simonjan, bezeichnete die Sperrungen als Medienskandal und behauptete, CNN habe "Facebook im Grunde gezwungen, unser Konto zu löschen". Ihrem Sender RT zufolge sagte Simonjan, CNN habe "sich wieder einmal wie die rechte Hand, die linke Hand, ich weiß nicht, vielleicht auch wie das Bein oder die Krücke des Außenministeriums der NATO und alles, was damit verbunden ist, verhalten".

Facebook habe "das Gleiche getan", sagte Simonjan, die ihren eigenen Sender in Interviews als Waffe im Informationskrieg bezeichnet hatte.

Informationen ergänzt

Nach der plötzlichen Sperrung der russischen Kanäle folgte nun die nächste Überraschung: Facebook schaltete die Seiten wieder frei. Als Grund dafür nannte ein Sprecher gegenüber CNN, dass Maffick Media nach Aufforderung nun Informationen über den Hintergrund der Seiten und den Verbindungen zu russischen Staatsmedien ergänzt hätten.

"Redfish" wird von Ruptly finanziert. Auf Facebook ist das nicht ersichtlich.

Tatsächlich steht auf den Facebook-Seiten nun, dass die Kanäle eine Marke von Maffick seien, das wiederum Ruptly und Anissa Naouai gehöre. Bei den einzelnen Beiträgen fehlt diese Information allerdings. Und bei "Redfish", das von Ruptly finanziert wird und mit seinen Videos die größte Reichweite der neuen russischen Social-Media-Kanäle erzielt, fehlt jeder Hinweis auf den Hintergrund der Seite.

Neue Initiative angekündigt

Eine einheitliche Strategie beim Umgang mit staatlich-finanzierten Medien scheint es bei Facebook weiterhin nicht zu geben. Ein Sprecher kündigte gegenüber CNN allerdings eine neue Initiative für mehr Transparenz an. Administratoren von verdächtigen Seiten sollten kontaktiert werden, sagte der Sprecher. Man werde schon bald mehr zu berichten haben.

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