Facebook-Logo | Bildquelle: REUTERS

Transparenz bei Facebook Aus der Seiten-Geschichte lernen

Stand: 14.05.2018 14:06 Uhr

Facebook will mit der "Page History" künftig mehr Transparenz schaffen. Die Funktion war bereits kurz verfügbar - und zeigte, dass diverse Pro-Trump-Seiten aus dem Ausland betreut werden.

Patrick Gensing Logo tagesschau.de
Patrick Gensing, tagesschau.de

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Der US-Wahlkampf aus dem Jahr 2016 beschäftigt die Öffentlichkeit weiter. Zentrale Frage: Inwieweit wurde Donald Trump aus dem Ausland, speziell aus Russland, unterstützt? Facebook steht dabei im Kreuzfeuer der Kritik. Musste Mark Zuckerberg doch nach und nach einräumen, dass der Internet-Gigant keineswegs so ahnungslos war, was beispielsweise von Russland aus geschaltete Anzeigen anging.

Erst in der vergangenen Woche veröffentlichte ein Ausschuss des US-Repräsentantenhauses weitere 3500 Facebook-Anzeigen, die größtenteils der russischen Internet Research Agency aus St. Petersburg zugeordnet werden. Analysen durch US-Medien dokumentieren ausführlich, wie die Auftraggeber der Anzeigen versuchen, ethnische und politische Konflikte in den USA gezielt anzuheizen.

Die dokumentierten Anzeigen stammen nicht nur aus dem Wahlkampf, sondern auch aus dem Jahr 2017. Darin wird beispielsweise versucht, Stimmung für den syrischen Machthaber Bashar al-Assad zu machen. In den meisten von Russland aus geschalteten Facebook-Ads geht es aber um Rassismus und Polizeigewalt in den USA.

Gefälschte Profile

Die russischen Auftraggeber hatten aber nicht nur Anzeigen geschaltet, sondern auch Facebook-Profile und Gruppen aufgebaut. So gaben sich russische Trolle als schwarze Bürgerrechtler oder muslimische Gruppen aus, die angeblich für Hillary Clinton waren. Sie unterstützten den Wahlkampf von Trump, indem sie "patriotische" Profile in sozialen Medien pflegten und für Demonstrationen für den heutigen Präsidenten warben.

Facebook versucht seitdem, den Schaden zu begrenzen. So versprach der Konzern im April, stärker gegen Fake-Seiten vorzugehen. Große Seiten müssten künftig verifiziert werden. Zudem sollen bald mehr Informationen zu einer Seite verfügbar sein, beispielsweise würden Änderungen des Namens dokumentiert.

Neue Funktion zwischenzeitlich verfügbar

Eigentlich sind diese Funktionen aber noch nicht online. Doch in der vergangenen Woche war die "Page History" in Irland und Kanada plötzlich verfügbar. Wie Buzzfeed berichtete, seien vorübergehend verschiedene Informationen über Facebook-Seiten angezeigt worden: Wann wurde die Seite eingerichtet? Wie viele Profile verwalten die Seite? Und von wo aus agieren diese Personen?

Buzzfeed-Reporter untersuchten die kurzzeitig verfügbaren Seiten-Informationen und stellten beispielsweise fest, dass mehrere große Facebook-Seiten über die Rechte der Indianer als Ureinwohner Amerikas aus Vietnam und dem Kosovo betreut werden. Diese Erkenntnisse bestätigten Recherchen, wonach solche Themen instrumentalisiert werden, um Geld zu verdienen, beispielsweise durch den Verkauf von Merchandise.

Zudem dokumentierte Buzzfeed, dass diverse Pro-Trump-Seiten unter anderem von Personen aus Mazedonien, Pakistan oder Indien verwaltet werden. Eine Facebook-Seite namens "Conservative Fighters" mit fast 20.000 Likes wird demnach aus Mazedonien und Deutschland gemanaget.

Hinweise auf Unterstützung für den Trump-Wahlkampf aus Russland fand Buzzfeed hingegen nicht. Allerdings hatte Facebook im April mitgeteilt, mehr als 270 Seiten und Profile zu sperren, die von der russischen Internet Research Agency betrieben worden seien.

Die "Page History" soll laut Facebook in einigen Wochen auf Facebook verfügbar sein.

Ob die Funktion dann auch in Deutschland eingeführt wird, konnte ein Sprecher von Facebook in Hamburg auf Anfrage des ARD-faktenfinder nicht sagen: "Ein konkreter Zeitplan für das Ausrollen dieser Funktionalität steht momentan nicht fest."

Darstellung: