Screenshot Defend Europe

Flüchtlinge im Mittelmeer Schiff der "Identitären" fährt wieder

Stand: 27.07.2017 19:10 Uhr

Das von den Behörden in Nordzypern festgesetzte Schiff der Aktion "Defend Europe" ist offenbar wieder in See gestochen. Zuvor war die Crew des von der "Identitären Bewegung" gecharterten Schiffs in Polizeigewahrsam.

Von Kristin Becker, SWR, Fiete Stegers, NDR, und Wolfgang Wichmann, tagesschau.de

Die Fahrt der "C Star" geht offenbar weiter. Das bestätigte Rasih Resat, Chefredakteur der nordzypriotischen Zeitung "Kibris Postasi", dem ARD-faktenfinder. Auch andere lokale Medien berichten über die Freilassung der zwischenzeitlich festgesetzten Crew. Auf Online-Tools wie "Marine Traffic", mit deren Hilfe man aktuelle Schiffspositionen bestimmen kann, ist zu sehen, dass das Schiff den Hafen von Famagusta verlassen hat.

Die "C Star" im Hafen von Famagusta.

Im Hafen von Famagusta untersuchte die Polizei das Schiff und nahm die Besatzung in Gewahrsam. (Foto: Nadire Bahadi/"Kibris Postasi")

Die neonationalistische "Identitäre Bewegung" hat das Schiff im Rahmen ihrer Aktion "Defend Europe" gechartert. Am Dienstag war es im Hafen von Famagusta gelandet. Dort hatte die Polizei gestern neun Besatzungsmitglieder sowie den Besitzer des Schiffes in Gewahrsam genommen. Hintergrund war der Verdacht, dass sich an Bord befindliche Männer mit falschen Papieren als Seeleute ausgaben.

Mit der "C Star" wollen Aktivisten der "Identitären Bewegung" aus mehreren Ländern im Rahmen der von ihnen ausgerufenen Aktion "Defend Europe" verhindern, dass weiterhin Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa kommen. Dazu wollen sie Schiffe von anderen Nichtregierungsorganisationen beobachten, die Flüchtlinge aus Seenot retten. Zu den Initiatoren gehört Martin Sellner, Co-Leiter der "Identitären Bewegung" in Österreich.

"Identitäre Bewegung"

Laut Verfassungsschutzbericht 2016 versteht sich die "Identitäre Bewegung" als "Zusammenschluss von jungen Menschen, die die eigene Kultur beziehungsweise das eigene Volk vor vermeintlichen Gefahren wie 'Multikulturalismus', 'Masseneinwanderung' und 'Identitäts-bzw. Werteverlust' bewahren will." Sie gilt zum Teil als rechtsextrem und wird in verschiedenen Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Wurzeln der inzwischen in verschiedenen Ländern agierenden Gruppierung liegen in Frankreich. Sie ist seit 2012 in Deutschland präsent. Dem Verfassungsschutzbericht zufolge ist seit "Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise im Jahr 2015 eine zunehmende islamfeindliche Agitation" der Bewegung sowie eine Radikalisierung bei Teilen der Mitglieder zu beobachten.

20 Männer aus Sri Lanka an Bord

Besatzungsmitglieder der "C Star" in Famagusta (Foto: Nadire Bahadi/Kibris Postasi)

Besatzungsmitglieder der "C Star" in Famagusta (Foto: Nadire Bahadi/"Kibris Postasi")

An Bord der "C Star" befanden sich zusätzlich zur übrigen Besatzung 20 Männer aus Sri Lanka. Das sagte Ülkü Tasseven gegenüber dem ARD-faktenfinder. Tasseven ist Koordinatorin eines Projekts von SOS Kinderdörfer und dem UN-Flüchtlingshilfswerk in Nordzypern und war vor Ort. Laut Tasseven gingen die Männer in Famagusta von Bord, 15 von ihnen reisten vom Flughafen Ercan zurück in ihre Heimat. Fünf baten ihr zufolge um Asyl. Sie sollen angegeben haben, dass sie in Dschibuti aufs Schiff gelangten und ihnen gegen Geld versprochen wurde, nach Italien gebracht zu werden. Tasseven zufolge war der Schiffscrew nun vorgeworfen worden, dass die srilankischen Männer gefälschte Seemannspapiere gehabt hätten.

"Kostenpflichtiges Training" oder Schlepperei?

"Defend Europe" stellt es in einer auf Twitter veröffentlichten Erklärung dagegen so dar: Die 20 angehenden Seeleute absolvierten an Bord des gecharterten Schiffes einen "kostenpflichtigen Trainingseinsatz". Sie seien dann auf Zypern von einer Nichtregierungsorganisation, deren Namen "Defend Europe" nicht nennt, bestochen worden, Asylanträge zu stellen und hätten dann "urplötzlich Vorwürfe gegen den Kapitän und die restliche Mannschaft der 'C Star' erhoben".

Auch Daniel Fiß, Sprecher und Co-Vorsitzender der "Identitären Bewegung" in Deutschland, betonte gegenüber dem ARD-faktenfinder, die srilankischen Seeleute seien an Bord gewesen, "um Seemeilen zu sammeln, um eine entsprechende Lizenz zu bekommen". Fiß erklärte zudem, dass seinem Wissen nach nur zwei Crewmitglieder festgesetzt seien - der Kapitän und der erste Offizier. Die übrige Besatzung sei lediglich zur polizeilichen Vernehmung vorgeführt worden.

Per Twitter zeigte sich "Defend Europe" optimistisch, dass die Vorwürfe fallengelassen würden und das Schiff seine Fahrt nach Sizilien fortsetzen könne, wo derzeit laut Fiß 10-15 Mitglieder der "Identitären Bewegung" aus verschiedenen europäischen Ländern warten, um an Bord gehen zu können. Darunter sind auch drei Deutsche.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Juli 2017 um 06:00 Uhr.

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