Verletzte nach mutmaßlichem Chlorgasangriff im syrischen Ort Sarakeb.  | Bildquelle: AFP

Chronologie Chlorgasangriffe in Syrien

Stand: 12.04.2018 15:44 Uhr

Nach dem mutmaßlichen Chlorgas-Einsatz im syrischen Duma erwarten viele ein militärisches Eingreifen der USA. Seit Jahresbeginn gab es in Syrien mindestens sieben Vorfälle mit Chlorgas.

Von Wolfgang Wichmann, tagesschau.de

13. Januar:

In Duma werden sechs Menschen mit Erstickungsanfällen ins Krankenhaus eingeliefert. Augenzeugen zufolge waren zuvor drei Boden-Boden-Raketen auf die Region abgefeuert worden. Andere Augenzeugen sprachen von "acht Bomben". Der Geruch von Chlorgas sei in der gesamten Stadt zu riechen gewesen.

Untersucht wurde der Vorfall durch die Organisation "Syrians For Truth and Justice". Der Bericht ist online abrufbar.

"Syrians For Truth and Justice"

"Syrians For Truth and Justice" ist eigenen Angaben zufolge eine unabhängige Nicht-Regierungsorganisation mit dem Ziel, ein gerechtes Land für alle syrischen Bürger gleichermaßen umzusetzen. Die Gruppierung will sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen und Verbrechen in Syrien dokumentieren.

22. Januar:

In Idlib in der gleichnamigen nördlichen Provinz werden Helfern zufolge vier Patienten mit Chlorgas-typischen Symptomen in ein Krankenhaus eingeliefert.

22. Januar:

In Duma in der Nähe der Hauptstadt Damaskus in der Region Ost-Ghuta werden Angaben von Hilfsorganisationen und Aufständischen zufolge nach einem mutmaßlichen Chlorgasangriff mindestens 13 Menschen mit Erstickungsanfällen behandelt. Die syrisch-amerikanische Ärzteorganisation SAMS spricht von 21 Verletzten, darunter sechs Frauen und sechs Kinder.

Der Twitter-Kanal "Azm_Lens" veröffentlicht ein Foto der mutmaßlich eingesetzten Waffe:

1. Februar:

In einem Krankenhaus im Osten von Ghouta - unweit der Hauptstadt Damaskus - werden laut Bericht der syrisch-amerikanischen Ärzteorganisation SAMS drei Patienten mit Erstickungsanfall eingeliefert. Die festgestellten Symptome wie Atemnot, trockener Husten und Brechreiz decken sich mit den typischen Folgen eines Chlorgasangriffs. Augenzeugen zufolge waren drei Raketen mit Chlorgas auf einen Vorort der Stadt Duma abgefeuert worden.

Chlorgas als chemisches Kampfmittel

Chlor ist bei Raumtemperatur ein gelbgrünes Gas - und ein Lungenkampfstoff: Über die Haut, Schleimhäute und Augen aufgenommen, führt Chlorgas zu massiven Reizungen. Der Wirkstoff führt je nach Konzentration zu Hustenreiz, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerz. Es besteht eine erhöhte Infarktgefahr. In höheren Konzentrationen kann das Gas beim Einatmen auch tödlich sein.

Betroffene Personen sollten sofort mit frischer Luft versorgt werden. Entsprechende Medikamente können mit Sauerstoff eingeatmet werden, um Schädigungen der Lunge, beispielsweise einem Lungenödem, vorzubeugen. Verunreinigte Kleidung ist abzulegen und kontaminierte Haut sollte sofort gründlich gereinigt werden - zur Not mir Wasser und Seife.

4. Februar:

In dem von Rebellen gehaltenen Ort Sarakeb in der nördlichen Provinz Idlib werden mindestens zwölf Menschen verletzt, nachdem sie Chlorgas eingeatmet haben. Wie eine Recherche von STJ und Bellingcat ergab, waren Augenzeugen zufolge von einem Hubschrauber zwei Fassbomben auf den Ort abgeworfen worden. Die Gruppe "Syrisches Netzwerk für Menschenrechte" veröffentlichte inzwischen einen Bericht, der unter anderem die beiden mutmaßlich abgeworfenen Chlorgas-Behälter auf einem Foto dokumentiert. Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben gibt es nicht.

Syrien war nach einem Giftgasangriff 2013 unter starkem internationalem Druck der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) beigetreten und hatte der Vernichtung seiner Chemiewaffen zugestimmt. Bis jetzt ist aber unklar, ob Syrien tatsächlich alle Bestände zerstören ließ. Chlorgas fällt nicht unter das Verbot, da es auch für zivile Zwecke eingesetzt werden kann.

25. Februar:

In dem Ort Al Shefonia in Ost-Ghouta werden durch den Einsatz von Chlorgas mindestens zwei Kinder getötet. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Untersuchung der Organisation "Syrians vor Truth and Justice" und des Menschenrechtsnetzwerkes "Syrian Archive". Nach der Befragung von medizinischen Einrichtungen wurden demnach 18 verletzte Personen gezählt, darunter sechs Frauen und vier Kinder.

7. April:

Bei dem mutmaßlichen Chlorgaseinsatz auf die Rebellenhochburg Duma in Ost-Ghouta sollen nach Angaben der Syrian American Medical Society (SAMS) und der Organisation "Weißhelme" mindestens 42 Menschen getötet worden sein. Mehr als 500 Personen seien in Krankenhäusern behandelt worden. Die Vereinten Nationen sprechen von mutmaßlich 49 Getöteten und Hunderten Verletzten.

Frankreichs Präsident Macron teilte inzwischen mit, es lägen Beweise für den Einsatz von Chlorgas durch die syrische Regierung in diesem Fall vor. Dem französischen Sender TF1 sagte Macron:

Wir haben den Beweis, dass Chemiewaffen verwendet wurden, zumindest Chlor, und dass sie vom Assad-Regime verwendet wurden.

Zuvor hatte das Recherchenetzwerk "Bellingcat" eine Untersuchung von Social-Media-Videos und Ergebnisse von Befragungen veröffentlicht. Das Ergebnis: Es sei höchstwahrscheinlich, dass Hubschrauber der Armee von Machthaber Baschar al-Assad Chlorgasbomben auf den Ort abgeworfen hätten. Diese seien zuvor von dem nahegelegenen syrischen Luftwaffenstützpunkt Dumayr aus in Richtung Duma gestartet.

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