Menschen halten Schilder mit dem Schriftzug Barcelonas in den Händen | Bildquelle: AFP

Twitter-Strategie spanischer Behörden Richtigstellungen verbreiten sich tausendfach

Stand: 18.08.2017 18:04 Uhr

Bei vergangenen Terroranschlägen verbreiteten sich Falschmeldungen binnen kürzester Zeit. Korrekturen dagegen kaum. Inzwischen werden Richtigstellungen in den Sozialen Netzen tausendfach geteilt. So auch im Fall von Barcelona.

Von Kristin Becker (SWR), Christoph Tanneberger und Verena Stöckigt (beide tagesschau.de)

Am Abend des Anschlagstages warnte die spanische Polizei via Twitter vor einer WhatsApp-Nachricht: Diese beinhalte falsche Informationen - so zum Beispiel der Hinweis auf "unmittelbar bevorstehende Anschläge in Madrid und Alicante". Zudem war die Rede davon, die Behörden hätten die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen.

Menschen sollten den öffentlichen Nahverkehr und belebte Plätze meiden. Die WhatsApp-Nachricht endete mit dem Appell, die Nachricht solle weitergeleitet werden. Als Quelle gab der Urheber "einen Freund, der im Kontakt mit der Polizei steht," an.

Die Polizei setzte daraufhin einen Tweet mit einer Richtigstellung und einem Screenshot der falschen WhatsApp-Nachricht ab, der tausendfach geteilt wurde. Unter dem Hashtag StopBulos (Stoppt Falschmeldungen) stellte @policia klar, dass nicht Terrorwarnstufe fünf, sondern nach wie vor vier gelte.

Auch eine Grafik wurde im Netz geteilt. Darauf war die Warnung vor weiteren Attentaten zu lesen. Angeblich habe man Pläne von Einkaufszentren in Barcelona bei den Verdächtigen gefunden.

Die Guardia Civil verbreitete die Grafik auf Twitter mit dem Hinweis: "Falschmeldungsidioten verbreiten weiterhin falsche Terrorwarnungen. Das hilft nicht und schürt unbegründet Angst. Glaub Ihnen nicht. Verbreite Sie nicht. Stop Falschmeldungen." Diese Richtigstellung griffen viele Twitter-User auf.

Christoph Tanneberger, ARD-aktuell, erläutert Fake News im Netz am Beispiel Barcelona
tagesschau24 16:00 Uhr, 18.08.2017

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Gestohlene Lieferwagen? Keine Bestätigung

Auch rund um Malaga kursieren Gerüchte: Zwei Lieferwagen sollen in Nachbarorten gestohlen worden sein. Offenbar wiederum per WhatsApp wird die Falschmeldung gestreut, das habe mit dem Attentat in Barcelona zu tun. Verbreitet wird die Behauptung per Twitter und Facebook und sie wird wohl auch unter Taxifahrern geteilt. Fotos in den sozialen Netzwerken zeigen Bildschirme oder kleine Ausdrucke von Taxiquittungen, die den Hinweis auf die Lieferwagen enthalten. Die Policìa Nacional widerspricht auch in diesem Fall. Und wird vielfach geteilt.

Keine Kaufhaus-Schiesserei

Kurz nach dem Anschlag verbreiteten sich Meldungen über eine Schiesserei in einer Filiale der spanischen Kaufhauskette El Corte Inglés.

Auslöser war möglicherweise ein Video-Tweet, in dem Menschen zu sehen sind, die in der Nähe des Kaufhauses wegrennen. Die Meldung wurde wenig später von den Behörden dementiert, der Tweet über 8000 Mal weiterverbreitet.

User-Videos sorgen für Chaos

Auch Medienberichte, nach denen sich der Täter angeblich in einem türkischen Restaurant verschanzt haben sollte, entpuppten sich als falsch. Die Richtigstellung der Polizei wurde ebenfalls tausendfach geteilt.

Viele Passanten hatten zuvor in Bars und Restaurants Zuflucht gesorgt, machten dort Videos mit ihren Smartphones und trugen so wahrscheinlich zur Verwirrung bei.

Polizei bittet um Zurückhaltung

Die Polizei versuchte gegen 22 Uhr, die Flut der im Netz verbreitetet Meldungen zu verlangsamen und bat via Twitter darum, weder Bilder von Polizeieinsätzen noch Fotos mit drastischem Inhalt wie zum Beispiel Leichen und Verletzte zu verbreiten.

Cat-Content als Gegenmittel

Ähnlich wie zuvor schon bei den Anschlägen in Berlin und Brüssel sorgte die Twitter-Community selbst dafür, dass die Schreckensbilder auf der Plattform nicht die Oberhand gewannen - indem sie unter dem Hashtag #barcelona einfach süße Katzenbilder posteten.

Poizei: Vermisster 7-Jähriger nicht gefunden

Weiterhin unklar ist das Schicksal des australischen Jungen, der seit dem Anschlag vermisst wird. Die Polizei dementierte am Samstag via Twitter Meldungen, der 7-Jährige sei verletzt in einem Krankenhaus gefunden worden.

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