Polizei und Reporter vor dem Wohnhaus von Babtschenko | Bildquelle: dpa

Chronologie im Fall Babtschenko Was geschah wann?

Stand: 31.05.2018 19:53 Uhr

Der kremlkritische Journalist Babtschenko sei in Kiew erschossen worden, hieß es am Dienstag. Keine 24 Stunden später taucht er auf einer Pressekonferenz des Geheimdienstes wieder auf. Eine Dokumentation der Zeit dazwischen.

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Dienstag, 29. Mai 2018 - 20:17 Uhr

Arkadi Babtschenkos Freund und Kollege Ayder Muschdabaew postet bei Facebook, dass Babtschenko "zu Hause von hinten erschossen" worden sei. Babtschenko sei nun auf dem Weg ins Krankenhaus und er selbst werde nun herausfinden in welches. Diese Informationen erhielt Muschdabaew wahrscheinlich von Babtschenkos Ehefrau. Er ist einer der engsten Freunde der Familie.

20:27 Uhr

In einer Stellungnahme gegenüber der ukrainischen Zeitung "Ukrainska Pravda" bestätigt der Sprecher der Polizei, Jaroslaw Trakalo, dass Babtschenko in den Rücken geschossen worden sei und dieser seinen Verletzungen noch im Krankenwagen auf dem Weg ins Krankenhaus erlag. Er teilt mit, dass der erste Anruf von der Frau Babtschenkos erfolgt sei, die sich zum Zeitpunkt der Tat im Badezimmer aufgehalten haben soll. Sie hatte demnach Schüsse gehört und dann ihren Mann mit Blutflecken aufgefunden, erste Hilfe alarmiert und sich dann um ihn gekümmert.

Die Meldung der "Ukrainska Pravda" im Original finden Sie hier.

20:32 Uhr

Die Polizei bestätigt einen Vorfall mit Todesfolge. Sie nennt dabei aber noch keinen Namen und verweist auf einen russischen Staatsbürger und Fernsehmoderator mit dem Geburtsjahr 1977. Die Polizei bestätigt den Notruf einer Frau, die ihren Ehemann blutüberströmt in ihrer Wohnung aufgefunden habe.

21:11Uhr

Ein ranghoher Berater des ukrainischen Innenministeriums, Anton Haraschenko, veröffentlicht bei Facebook einen Beitrag mit weiteren Details. Weil kein Brot mehr im Haus gewesen sei, habe Babtschenko das Gebäude noch einmal verlassen. Die Mörder hätten ihm im Treppenhaus aufgelauert. Als er die Türe öffnete hätten sie ihm unvermittelt mehrere Male in den Rücken geschossen.

21:14 Uhr

Muschdabaew teilt öffentlich mit, dass er vom Tod Babtschenkos erfahren habe. Bei Facebook schreibt er: "Arkadi Babtschenko wurde auf direkten Befehl der Behörden des terroristischen Staates der Russischen Föderation getötet. Das ist alles was ich sagen kann. Ich liebe Dich Arkadi - du warst der Beste der Besten."

21:25 Uhr

Die Hromadske Mediengruppe veröffentlicht Aussagen des Chefs der Kiewer Polizei, Andrej Kryschenko. Demzufolge werde in zwei Richtungen wegen des Mordes ermittelt: Zum einen zu Babtschenkos beruflicher Betätigung und zum anderen in seinem persönlichen Umfeld.

21:27 Uhr

Der Vertreter der OSZE für die Freiheit der Medien, Harlem Désir, veröffentlicht eine Nachricht bei Twitter. Er ruft die ukrainischen Behörden dazu auf, sofort umfängliche Ermittlungen aufzunehmen.

21:30 Uhr

Die oberste russische Ermittlungsbehörde teilt schriftlich mit, dass im Fall der "Ermordung des russischen Staatsbürgers Arkadi Babtschenko in Kiew" Ermittlungen aufgenommen worden seien. Dabei wird ergänzt, dass in den vergangenen Jahren bereits mehrere Russen in der Ukraine umgebracht worden seien: Journalist Pawel Scheremet und Ex-Duma-Abgeordneter Denis Woronenkow.

Die Erklärung auf Russisch finden Sie hier.

21:36 Uhr

Der ukrainische Premierminister Wladimir Groisman veröffentlicht die Nachricht von der Ermordung Babtschenkos auf seiner Facebookseite. Er beschuldigt Russland indirekt und nennt Babtschenko einen echten Freund der Ukraine, der die Welt über die russische Aggression aufgeklärt habe.

21:55 Uhr

Das russische Außenministerium veröffentlicht eine Stellungnahme und attackiert die Ukraine: Das Niveau der körperlichen Gewalt und die Ermordung von Medienbeschäftigten sei dramatisch gestiegen, während die Ermittlungen keine Kriminellen vor Gericht gebracht hätten. Blutige Verbrechen seien zum Teil des Alltags der Regierung in Kiew geworden.

Die Erklärung auf Russisch finden Sie hier.

22:44 Uhr

Das ukrainische Innenministerium veröffentlicht einen Fahndungsaufruf mit einer Phantomzeichnung.

Phantomzeichnung des ukrainischen Innenministeriums im Zusammenhang mit der vermeintlichen Ermordung des russischen Journalisten Babtschenko.

Mittwoch, 30. Mai 2018

Menschen bringen Blumen zum Wohngebäude von Babtschenko. Reporter mit Kameras sowie die Polizei ist ebenfalls vor Ort.

0:33 Uhr

Die Hromadske Mediengruppe meldet, dass Polizisten am Abend vor der vermeintlichen Ermordung Babtschenkos nach Überwachungskameras im Wohnhaus des Journalisten gesucht habe.

8:49 Uhr

Die Nachrichtenagentur Interfax Ukraine zitiert die Sprecherin des Geheimdienstes SBU, Olena Hitlyanskaya. Der Geheimdienst werde im Laufe des Tages weitere Details zu dem Vorfall bekanntgeben, heißt es. Derzeit sei man damit beschäftigt, die Polizei bei den Ermittlungen zu unterstützen.

9:42 Uhr

Die Agentur Interfax Russland zitiert den russischen Außenminister Sergej Lawrow: Es sei traurigerweise Mode geworden, nach solchen Vorfällen sofort Russland zu beschuldigen. Das liege daran, dass sich die Ukraine "einer völligen Straffreiheit seitens ihrer westlichen Aufpasser" erfreue. Lawrow verwahrte sich gegen Schuldzuweisungen an sein Land. "Die Ermittlungen haben noch nicht einmal begonnen."

10:05 Uhr

Die Agentur Interfax Ukraine zitiert den Polizeichef von Kiew, Andrej Kryschenko. Es seien nun zwei weitere Ermittlergruppen am Tatort eingetroffen, um Zeugen zu befragen und Beweise zu sammeln.

10:16 Uhr

Die Sprecherin des russischen Ermittlungskomitees, Swetlana Petrenko, beschuldigt die Ukraine dafür, die Fälle zweier ermorderter Russen im Land nicht aufgeklärt zu haben - wie die Agentur RIA Novosti meldet. Petrenko bietet der Ukraine Hilfe bei neutralen Ermittlungen an.

10:53 Uhr

Der Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland, veröffentlicht eine Erklärung auf Twitter. Er verurteilt die Ermordung Babtschenkos und fordert eine umfassende Untersuchung. Angriffe gegen Journalisten und die Meinungsfreiheit seien in Europa auf dem Vormarsch.

11:02 Uhr

Die ukrainische Website "UNN" meldet bezugnehmend auf eine Polizeiquelle, dass drei 9mm-Hülsen einer Makarow-Pistole am Tatort sichergestellt worden seien. Der Täter habe dem Opfer drei Mal in den Rücken geschossen.

Die Meldung im Original finden Sie hier.

11:15 Uhr

Der Vertreter der OSZE für die Freiheit der Medien, Harlem Désir, befindet sich eigenen Angaben zufolge auf dem Weg nach Kiew. Er wolle sich nach diesem abscheulichen Verbrechen mit Kollegen Babtschenkos solidarisch zeigen und ihnen Unterstützung anbieten.

12:15 Uhr

Der Kreml verurteilt die Ermordung des prominenten russischen Journalisten Arkadi Babschenko in Kiew scharf. Moskau hoffe auf "wahrhaftige Ermittlungen" zu den Drahtziehern der Tat, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Die Ukraine sei ein "sehr gefährlicher Ort" für Journalisten geworden.

13:55 Uhr

Amnesty International in der Ukraine beschuldigt die Regierung in Kiew, sich nicht ausreichend für den Schutz prominenter Kritiker des Kreml einzusetzen. Daraus ergebe sich eine gefährliche Situation für die geistige Freiheit in der Ukraine.

Die Erklärung von Amnesty International im Original finden Sie hier.

16:13 Uhr

Der ukrainische Geheimdienst SBU beginnt die Pressekonferenz, auf der auch Arkadi Babtschenko auftritt. Der angebliche Mord sei eine über Monate vorbereitete Aktion gewesen, um Anschlagspläne des russischen Geheimdienstes zu enttarnen, sagt SBU-Chef Wassili Grizak. Der mutmaßliche Organisator sei festgenommen worden.

Demian von Osten, ARD Moskau, zum Fall Babtschenko
tagesschau 17:00 Uhr, 30.05.2018

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Zusammengestellt von Gosha Tykhyi, zzt. Kiew, Demian von Osten, ARD-Studio Moskau und Wolfgang Wichmann, tagesschau.de

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